Die Frage, ob sich eine Solarthermieanlage lohnt, beschäftigt viele Hausbesitzer – gerade jetzt, wo Energiepreise schwanken, das Gebäudeenergiegesetz neue Anforderungen stellt und staatliche Förderprogramme attraktive Zuschüsse ermöglichen. In diesem Artikel erfahren Sie, unter welchen Bedingungen Solarthermie wirtschaftlich sinnvoll ist, welche Kosten und Einsparungen realistisch sind und wie Sie gezielt Fördermittel nutzen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Solarthermie lohnt sich vor allem für Ein- und Zweifamilienhäuser mit höherem Warmwasserbedarf und geeigneter Dachfläche.
- Typische Kosten liegen bei 4.000 bis 12.000 Euro, abhängig davon, ob nur Warmwasser oder zusätzlich die Heizung unterstützt wird.
- Mit staatlicher Förderung kann sich die Amortisationszeit auf 10 bis 15 Jahre verkürzen.
- Solarthermie zählt im Gebäudeenergiegesetz als erneuerbare Energie, reicht allein jedoch meist nicht aus, um die 65-Prozent-Vorgabe zu erfüllen.
- Besonders sinnvoll ist Solarthermie als Ergänzung zu bestehenden Gas- oder Ölheizungen oder in Kombination mit Wärmepumpen oder Biomasse.
- Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sind Dachausrichtung, Verschattung, Speichergröße und eine korrekte Dimensionierung.
So gehen Sie vor
- Dach prüfen: Kontrollieren Sie Ausrichtung, Neigung und mögliche Verschattung Ihres Daches – ideal sind Süd-, Südost- oder Südwestdächer ohne dauerhaften Schatten.
- Wärmebedarf einschätzen: Ermitteln Sie Ihren Warmwasser- und Heizenergiebedarf. Solarthermie rechnet sich besonders bei Haushalten mit konstantem Warmwasserverbrauch.
- Anlagenart festlegen: Entscheiden Sie, ob die Anlage nur Warmwasser erzeugen oder zusätzlich die Heizung unterstützen soll – das beeinflusst Kosten, Speichergröße und Förderung.
- Förderung klären: Prüfen Sie, welche Zuschüsse für Ihr Vorhaben infrage kommen, und stellen Sie den Förderantrag vor Vertragsabschluss.
- Fachberatung nutzen: Lassen Sie die Anlage von einem Fachbetrieb oder Energieberater auslegen, um Über- oder Unterdimensionierung zu vermeiden.
- Angebote vergleichen: Holen Sie mehrere Angebote ein und achten Sie nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Speichergröße, Regelungstechnik und Wartungskonzept.
Wann lohnt sich Solarthermie wirklich?
Die ehrliche Antwort auf die Frage „Lohnt sich Solarthermie?“ lautet: ökologisch praktisch immer, ökonomisch kommt es auf Ihr Haus, Ihren Verbrauch, Ihr Heizsystem und die genutzte Förderung an. Typische Investitionen für eine Solarthermieanlage liegen zwischen 4.000 und 12.000 Euro, die Amortisation bewegt sich meist im Bereich von 12 bis 25 Jahren – abhängig davon, ob Sie nur Warmwasser erzeugen oder auch die Heizung unterstützen möchten.
Die aktuellen Rahmenbedingungen machen Solarthermie interessanter als noch vor wenigen Jahren: Die Gas- und Ölpreise bleiben auf hohem Niveau, das Gebäudeenergiegesetz fordert bei neu eingebauten Heizungen einen steigenden Anteil erneuerbarer Energien, und staatliche Förderprogramme können einen erheblichen Teil der Investitionskosten abfedern. Zuschüsse von bis zu 70 Prozent sind im Rahmen der Heizungsförderung möglich, wenn Solarthermie Teil eines förderfähigen Heizungssystems ist und entsprechende Boni greifen. Besonders lohnenswert ist die Investition bei gut gedämmten Häusern mit ausreichend Dachfläche und einem ganzjährigen Warmwasserbedarf – etwa ab einem Vier-Personen-Haushalt aufwärts.
Rechtlicher Rahmen: Gebäudeenergiegesetz und Vorgaben ab 2024/2025
Gesetze mögen auf den ersten Blick trocken wirken, doch für die Entscheidung „lohnt sich Solarthermie” sind sie zentral. Das Gebäudeenergiegesetz legt fest, wann und wie viel erneuerbare Energie beim Heizen zum Einsatz kommen muss – und Solarthermie kann dabei ein wichtiger Baustein sein.
Seit 2024 gilt für neue Heizungen in Neubauten innerhalb von Neubaugebieten: Mindestens 65 Prozent der bereitgestellten Wärme müssen aus erneuerbaren Energien stammen. Für Bestandsgebäude und Neubauten außerhalb ausgewiesener Neubaugebiete greifen Übergangsfristen. In Städten über 100.000 Einwohnern endet diese Frist Mitte 2026, in kleineren Kommunen Mitte 2028 – danach muss eine neu eingebaute Heizung die 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien erfüllen.
Diese Vorgaben sind eng an die kommunale Wärmeplanung gekoppelt, die in vielen Regionen erst aufzeigt, welche Versorgungsoptionen – etwa Wärmenetze oder dezentrale Lösungen – künftig vorgesehen sind und damit die Wahl des Heizsystems beeinflusst.
Solarthermie wird im GEG als erneuerbare Energie angerechnet und kann sowohl für die Warmwasserbereitung als auch zur Heizungsunterstützung eingesetzt werden. In einem typischen Einfamilienhaus deckt eine gut dimensionierte Solarthermische Anlage je nach Auslegung 10 bis 30 Prozent des gesamten Wärmebedarfs. Das reicht zwar allein nicht für die 65-Prozent-Quote, lässt sich aber hervorragend mit einer Wärmepumpe, Biomasse oder anderen erneuerbaren Systemen kombinieren. So erfüllen Sie nicht nur die gesetzlichen Anforderungen, sondern profitieren auch von der Synergie unterschiedlicher Technologien.
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Wie funktioniert Solarthermie im Haus? Technik verständlich erklärt
Die Technik hinter Solarthermie Systemen ist im Kern überraschend einfach: Solarkollektoren auf dem Dach fangen die Sonnenstrahlen ein und wandeln sie in nutzbare Wärme um. Diese Wärme wird über eine spezielle Solarflüssigkeit – ein Gemisch aus Wasser und Frostschutz – zu einem Speicher im Haus transportiert und steht dort für Warmwasser oder Heizung zur Verfügung.
Die Hauptkomponenten einer Solarthermie-Anlage umfassen die Solarthermie-Kollektoren selbst (als Flachkollektoren oder Vakuumröhrenkollektoren erhältlich), die Solarflüssigkeit im geschlossenen Kreislauf, eine Solarstation mit Pumpe und Regelung, einen Wärmetauscher sowie einen Solar- oder Pufferspeicher. Der Kreislauf funktioniert ähnlich wie ein geschlossener Heizkreislauf am Hausdach: Sobald die Sonne die Sonnenkollektoren erwärmt, schaltet die Pumpe ein und transportiert die Sonnenwärme zum Speicher. Dort gibt ein Wärmetauscher die Energie an das Speicherwasser ab. Dieses vorgewärmte Wasser steht dann für Dusche, Waschbecken oder – bei größeren Anlagen – auch für die Raumheizung bereit.
In der Praxis wird eine Solarthermieanlage fast immer mit einem zweiten Wärmeerzeuger kombiniert, etwa einer Gas- oder Ölheizung, einem Pelletkessel, einer Wärmepumpe oder Fernwärme. Der Grund: Im Winter reicht die Sonneneinstrahlung nicht aus, um den gesamten Wärmebedarf zu decken. Die Solarthermie übernimmt dann vor allem im Sommer die Hauptlast und entlastet den Heizkessel in der Übergangszeit. Neben den klassischen Kollektoren gibt es als Nischenlösung auch Luftkollektoren, die erwärmte Luft direkt ins Haus leiten – diese spielen in Deutschland allerdings nur eine untergeordnete Rolle.
Wirtschaftlichkeit: Kosten, Betrieb und Amortisation 2025
Für die meisten Hausbesitzer steht bei der Frage „lohnt sich Solarthermie” zunächst der Blick auf Euro und Amortisationszeit im Vordergrund. Verständlich – schließlich will niemand eine Investition tätigen, die sich erst nach 30 Jahren rechnet.
Investitionskosten
Die Anschaffungskosten für eine Solarthermie Anlage hängen stark von der Dimensionierung ab. Eine Anlage, die ausschließlich der Warmwasserbereitung für einen 4 Personen Haushalt dient, umfasst typischerweise 5 bis 7 Quadratmeter Kollektorfläche und einen Speicher von 300 bis 500 Litern. Inklusive Montage und Installation liegen die Kosten hier bei etwa 4.000 bis 6.000 Euro. Soll die Solaranlage zusätzlich die Heizung unterstützen, wächst die benötigte Kollektorfläche auf 10 bis 20 Quadratmeter, der Pufferspeicher auf 500 bis 1.000 Liter Volumen. Für ein Einfamilienhaus mit 120 bis 160 Quadratmetern Wohnfläche sind dann 8.000 bis 12.000 Euro realistisch.
Laufende Kosten
Die Betriebskosten einer Solarthermie Anlage sind erfreulich gering. Moderne Hocheffizienzpumpen verbrauchen nur 10 bis 40 Kilowattstunden Strom pro Jahr – das entspricht etwa 3 bis 15 Euro Stromkosten. Hinzu kommt eine Wartung alle zwei bis drei Jahre, bei der die Solarflüssigkeit, die Pumpe und die Regelung geprüft werden. Über die gesamte Lebensdauer von 25 bis 35 Jahren sollten Sie insgesamt etwa 2.500 bis 3.500 Euro für Wartung und gelegentlichen Austausch von Verschleißteilen einplanen.
Einsparungen und Amortisation
Wie viel Energie und Geld Sie tatsächlich sparen, hängt von Ihrem Haus, dem Nutzerverhalten und den Energiepreisen ab. Typische Einsparungen über 20 Jahre Betriebsdauer liegen bei 800 bis 2.000 Kubikmetern Gas oder 800 bis 1.800 Litern Heizöl. Bei aktuellen Gaspreisen von 10 bis 14 Cent pro Kilowattstunde und einer Anlage für Warmwasser und Heizungsunterstützung sparen Sie jährlich zwischen 500 und 1.000 Euro an Heizkosten.
Ein konkretes Beispiel: Ein 4 Personen Haushalt in einem gut gedämmten Einfamilienhaus investiert 10.000 Euro in eine Kombianlage. Nach Abzug von 40 Prozent Förderung verbleiben 6.000 Euro Eigenanteil. Bei einer jährlichen Einsparung von 500 Euro liegt die Amortisation bei etwa 12 Jahren. Steigen die Energiepreise weiter oder nutzen Sie höhere Fördersätze von 60 bis 70 Prozent, verkürzt sich dieser Zeitraum auf unter 10 Jahre. Umgekehrt kann die Amortisation bei niedrigem Verbrauch oder ungünstiger Dachlage auf 20 bis 25 Jahre steigen. Kleinstanlagen mit nur 2 Quadratmetern Kollektorfläche lohnen sich wirtschaftlich kaum, da die Fixkosten für Installation und Regelung nicht im Verhältnis zur Einsparung stehen.
Förderung und Finanzierung: So wird Solarthermie bezahlbar
Die Förderung ist ein zentraler Hebel für die Wirtschaftlichkeit von Solarthermieanlagen. Ohne Zuschüsse rechnet sich die Investition oft erst nach 20 Jahren oder länger – mit Förderung kann sich die Amortisation deutlich verkürzen.
Solarthermie wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) gefördert und kann zudem im Rahmen der Heizungsförderung berücksichtigt werden, wenn sie Teil eines förderfähigen Heizungssystems ist. Bei einem Heizungstausch sind – abhängig von Grundförderung und Boni – Zuschüsse von bis zu 70 Prozent möglich. Die tatsächlich erreichbare Förderhöhe hängt dabei immer von der konkreten Maßnahme und der Kombination der Förderbestandteile ab.
Wie viel Förderung Sie konkret erhalten, hängt von mehreren Faktoren ab: Ersetzen Sie einen fossilen Heizkessel, gibt es einen Klimageschwindigkeitsbonus von bis zu 20 Prozent. Für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen unter 40.000 Euro kommt ein Einkommensbonus von 30 Prozent hinzu. Liegt zusätzlich ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) vor, erhöht sich die Förderung um weitere 5 Prozentpunkte. Insgesamt ist die Förderung auf 70 Prozent der förderfähigen Kosten gedeckelt.
Beispielrechnung 1:
Eine Solarthermieanlage kostet brutto 10.000 Euro, davon sind 9.000 Euro förderfähig. Bei einem Fördersatz von 40 Prozent erhalten Sie 3.600 Euro Zuschuss – Ihr Eigenanteil beträgt 6.400 Euro.
Beispielrechnung 2:
Ersetzen Sie im Zuge der Maßnahme einen alten Öl- oder Gaskessel und erfüllen die Voraussetzungen für zusätzliche Boni, sind Fördersätze von 60 bis 70 Prozent möglich. Der Eigenanteil sinkt in diesem Fall auf unter 4.000 Euro.
Hinweis
Der Förderantrag muss immer vor Vertragsunterschrift und vor Beginn der Installation gestellt werden. In vielen Fällen ist die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten erforderlich; dessen Kosten sind ebenfalls förderfähig.
Ergänzend zu Zuschüssen bietet die KfW zinsgünstige Ergänzungskredite (z. B. Programm 358/359) an. Diese Kredite können zur Finanzierung des Eigenanteils genutzt und mit weiteren Sanierungsmaßnahmen wie Dämmung, Fenstertausch oder Dachsanierung kombiniert werden.
Zusätzlich gewähren viele Bundesländer und Kommunen eigene Zuschüsse. In Nordrhein-Westfalen etwa unterstützt das Programm progres.nrw Solarthermie mit zusätzlichen Mitteln. Städte wie München, Düsseldorf oder Freiburg verfügen über eigene Fördertöpfe, die häufig mit der Bundesförderung kombinierbar sind und die Wirtschaftlichkeit weiter verbessern können.
Welche Haushalte und Gebäude profitieren am meisten?
Nicht jedes Haus ist gleichermaßen für Solarthermie geeignet. Die Eignung hängt von Dachausrichtung, Neigung, Verschattung und dem individuellen Wärmebedarf ab.
Ideal ist eine Dachausrichtung nach Süden, wobei Abweichungen bis etwa 30 Grad Richtung Südwest oder Südost noch gute Erträge liefern. Die optimale Dachneigung liegt zwischen 30 und 60 Grad – bei flacheren oder steileren Dächern sinkt der Ertrag, aber die Anlage bleibt funktionsfähig. Entscheidend ist außerdem eine möglichst verschattungsfreie Dachfläche: Gauben, Schornsteine, Bäume oder Nachbarhäuser, die Schatten werfen, reduzieren die Energieausbeute erheblich.
Besonders geeignet sind Ein- und Zweifamilienhäuser mit mindestens drei Personen, die einen konstanten Warmwasserbedarf haben. Häuser mit gutem Dämmstandard nach KfW-Effizienzhaus-Niveau, EH55 Standard oder GEG-konform profitieren stärker, weil die gewonnene Solarenergie effizienter genutzt wird und der Gesamtwärmebedarf niedriger ausfällt. Wichtig ist außerdem, dass ausreichend Platz für einen Speicher von mindestens 300 bis 500 Litern zur Verfügung steht – meist im Keller oder Hauswirtschaftsraum.
Wann ist Solarthermie weniger sinnvoll?
Weniger sinnvoll ist die Investition bei stark verschatteten Dächern, reinen Norddächern ohne alternative Montagefläche oder bei sehr geringem Warmwasserverbrauch – etwa in Singlehaushalten, die ausschließlich mit Durchlauferhitzer arbeiten. Auch bei extrem schlechtem Dämmstandard sollten Sie zunächst in die Gebäudehülle investieren, bevor Sie über Solarthermie nachdenken. Die Energie der Sonne verpufft sonst buchstäblich durch undichte Fenster und ungedämmte Wände.
Zur Veranschaulichung: Ein saniertes Einfamilienhaus von 1985 in Freiburg mit Südwest-Dach und vier Bewohnern ist ein idealer Kandidat. Die Sonneneinstrahlung im Süden Deutschlands liegt bei rund 1.100 bis 1.200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, der Altbau wurde nach EnEV-Standard gedämmt, und der Warmwasserbedarf ist hoch genug für eine wirtschaftliche Anlage. Ein unsaniertes Reihenhaus in Hamburg mit Ost-Dach und teilweiser Verschattung durch Nachbarhäuser steht dagegen deutlich schlechter da – hier lohnt sich ein genauer Blick auf Alternativen.
Eine Standortanalyse über das Solarkataster Ihrer Kommune und ein Gespräch mit einem zertifizierten Energieberater helfen, die individuelle Eignung einzuschätzen. Viele Kommunen stellen ihre Solarkataster kostenlos online bereit und zeigen auf einen Blick, wie viel Sonnentage und Einstrahlung Ihr Hausdach im Jahr erhält.
Dimensionierung und Technikvarianten: Warmwasser oder Heizung – was lohnt sich?
Die Auslegung einer Solarthermieanlage – nur Warmwasser oder Warmwasser plus Heizungsunterstützung – beeinflusst die Wirtschaftlichkeit erheblich. Die Frage ist nicht nur, wie viel Kollektorfläche Sie brauchen, sondern auch, welche Anlagenart sich für Ihr Haus am schnellsten rechnet.
Für die reine Warmwasserbereitung gilt als Faustregel: etwa 1 bis 1,5 Quadratmeter Kollektorfläche pro Person und 80 bis 130 Liter Speichervolumen pro Person. Ein 4 Personen Haushalt kommt so auf 4 bis 6 Quadratmeter Kollektoren und einen 300- bis 500-Liter-Speicher. Soll die Anlage zusätzlich die Heizung unterstützen, wächst der Bedarf deutlich: 8 bis 20 Quadratmeter Kollektorfläche und ein Pufferspeicher von 500 bis 1.000 Litern sind typisch für ein Einfamilienhaus. Der größere Speicher ermöglicht es, überschüssige Sonnenwärme aus dem Sommer für die Übergangszeit zu bevorraten.
Bei den Kollektoren stehen zwei Varianten zur Wahl: Flachkollektoren sind günstiger, robust und die Standardlösung für die meisten Anwendungen. Vakuumröhrenkollektoren kosten etwa 20 bis 40 Prozent mehr, arbeiten aber bei gleicher Fläche effizienter – besonders bei höherem Temperaturbedarf oder begrenzter Dachfläche. Wenn Ihr Dach nur wenig Platz bietet, Sie aber trotzdem Heizungsunterstützung wünschen, können Vakuumröhren die bessere Wahl sein.
Reine Warmwasseranlagen haben in der Regel die kürzeste Amortisationszeit, weil die Investitionskosten niedriger sind und der Warmwasserbedarf auch im Sommer konstant bleibt. Kombianlagen für Warmwasser und Heizung sparen insgesamt mehr fossile Energie, erfordern aber höhere Anschaffungskosten und rechnen sich oft erst nach 15 bis 20 Jahren. Die Möglichkeit, zwischen beiden Varianten zu wählen, sollte Teil Ihrer individuellen Beratung sein.
Aufdach vs Indach-Systeme
Bei der Montage unterscheidet man zwischen Aufdach- und Indach-Systemen. Die Aufdachmontage ist günstiger und einfacher nachzurüsten; die Kollektoren werden auf vorhandene Dachziegel gesetzt. Die Indach-Variante integriert die Kollektoren optisch in die Dachfläche und eignet sich besonders für Neubauten oder Dachsanierungen. Technisch arbeiten beide Varianten gleich, der Unterschied ist vor allem ästhetisch und baulich.
Tipp
Solarthermie lohnt sich vor allem dann, wenn sie richtig dimensioniert und in ein Gesamtkonzept eingebettet wird. Eine zu große Anlage führt im Sommer schnell zu Überschüssen und Stagnation, eine zu kleine Anlage schöpft das Potenzial nicht aus. Entscheidend ist deshalb nicht die maximale Kollektorfläche, sondern die Abstimmung auf Warmwasserbedarf, Heizsystem und Speichergröße. Lassen Sie die Auslegung immer von einem Fachbetrieb oder Energieberater prüfen – insbesondere, wenn Sie Solarthermie mit einer Wärmepumpe oder Biomasseheizung kombinieren möchten.
Solarthermie in Kombination mit anderen Heiztechniken
Solarthermie ist fast immer eine Unterstützungstechnologie – sie arbeitet am besten im Team mit einem zweiten Wärmeerzeuger. Welche Kombination sich für Ihr Haus eignet, hängt vom bestehenden Heizsystem, Ihrem Warmwasserprofil und der verfügbaren Dachfläche ab.
Die häufigste Konstellation in Deutschland ist die Kombination mit einer Gas- oder Ölheizung. Hier übernimmt die Solarthermie große Teile des Wärmebedarfs für Warmwasser im Sommer und reduziert die Brennerstarts des Heizkessels in der Übergangszeit. Das verlängert die Lebensdauer der Heizungsanlage und senkt den Verbrauch an fossilen Brennstoffen spürbar. Ein typisches Szenario: Ein Einfamilienhaus in Bayern mit Gasbrennwertkessel und 8 Quadratmetern Solarthermie. Von Mai bis September liefert die Sonne nahezu 100 Prozent des Warmwassers, der Gaskessel bleibt ausgeschaltet. Im Winter unterstützt die Anlage die Heizung an sonnigen Tagen und spart so 10 bis 20 Prozent der Heizwärme.
Die Kombination mit einer Wärmepumpe gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hier ist Solarthermie vor allem für Brauchwarmwasser interessant, da die Wärmepumpe dadurch entlastet wird. Konkret: Wenn die Sonne das Warmwasser liefert, muss die Wärmepumpe weniger Strom aufwenden. Das kann die Jahresarbeitszahl verbessern und die Stromkosten senken – besonders relevant, wenn Wärmepumpenstrom teuer ist. Hybride Systeme, bei denen Solarthermie das vorerwärmte Wasser bereitstellt oder die Warmwasserbereitung teilweise übernimmt, können die Effizienz des Gesamtsystems steigern; wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt von Auslegung, Temperaturniveau und Nutzerprofil ab.
Weitere Kombinationsmöglichkeiten
Auch die Kombination mit Biomasse wie Pellets oder Scheitholz ist sinnvoll. Im Sommer müssen Sie den Heizkessel nicht anfeuern, nur um Warmwasser zu erzeugen – das erhöht den Komfort und reduziert Holzverbrauch sowie Feinstaubemissionen. Gerade in ländlichen Regionen, wo Holz günstig verfügbar ist, ist diese Kombination verbreitet.
Eine zunehmend beliebte Option ist die Kombination mit Photovoltaik. Hier können Solarthermie und PV Anlage nebeneinander auf dem Dach arbeiten oder – bei sogenannten PVT-Kollektoren – in einem Modul integriert werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Strom aus der Photovoltaik Anlage versorgt Pumpen, Regelung und Haushalt, die Solarthermie liefert die Wärme. So nutzen Sie Ihre Dachfläche optimal aus. PVT-Kollektoren vereinen Strom- und Wärmeerzeugung auf derselben Fläche, sind jedoch teurer und technisch anspruchsvoller als getrennte Systeme.
Die sinnvollste Kombination richtet sich immer nach Ihrer individuellen Situation. Ein Energieberater kann Ihnen helfen, die Optionen zu vergleichen und das System zu finden, das zu Ihrem Haus, Ihrem Budget und Ihren Zielen passt.
Ökologische Bilanz: CO₂-Einsparung und Klimaschutz
Die Frage, ob sich Solarthermie lohnt, ist nicht nur eine Kosten-, sondern auch eine Klimafrage. Wer die Sonne als Energiequelle nutzt, reduziert seinen ökologischen Fußabdruck – und zwar nachhaltig.
Konkret spart eine Solarthermieanlage für ein Einfamilienhaus je nach Kollektorgröße und Heizsystem zwischen 500 und 1.500 Kilogramm CO₂ pro Jahr. Bei einer Lebensdauer von 25 bis 35 Jahren summiert sich das auf 12 bis 50 Tonnen vermiedene Emissionen – ein erheblicher Beitrag zum Klimaschutz. Im Betrieb ist Solarthermie nahezu emissionsfrei; lediglich die kleine Menge Strom für die Pumpe verursacht je nach Strommix geringe indirekte Emissionen. Die relevanten Emissionen entstehen bei Herstellung und Entsorgung der Komponenten.
Die energetische Amortisation – also die Zeit, bis die Anlage mehr Energie produziert hat, als für ihre Herstellung nötig war – liegt bei Solarthermieanlagen typischerweise bei 2 bis 4 Jahren. Danach läuft das System 25 bis 35 Jahre und liefert saubere Sonnenenergie. Im Vergleich dazu emittiert eine rein fossile Heizung mit Gas oder Öl Jahr für Jahr und trägt zur weiteren Erderwärmung bei. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein – wer heute in erneuerbare Energien investiert, ist Teil der Lösung.
Neben dem Klimaschutz reduziert Solarthermie die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern. Gerade die Preissteigerungen der letzten Jahre haben gezeigt, wie volatil die Märkte für Gas und Öl sein können. Wer einen Teil seines Wärmebedarfs mit Solarenergie deckt, ist von solchen Schwankungen weniger betroffen und stabilisiert langfristig seine Heizkosten. Auch für die Einnahmen Überschuss Rechnung bei vermieteten Objekten kann die reduzierte Abhängigkeit ein Pluspunkt sein.
Wann lohnt sich Solarthermie nicht – und welche Alternativen gibt es?
Eine ehrliche Bewertung muss auch die Grenzen und Nachteile von Solarthermie benennen. Nicht in jedem Fall ist die Technologie die beste Wahl.
Solarthermie rechnet sich selten, wenn das Dach ungünstig ausgerichtet ist – etwa reine Nordlage oder starke Verschattung durch Nachbarhäuser, Bäume oder Dachaufbauten. Ohne ausreichende Sonneneinstrahlung sinkt die Effizienz so stark, dass die Investition nicht mehr wirtschaftlich ist. Ebenso problematisch ist fehlender Platz für einen Speicher: Ohne Pufferspeicher kann die tagsüber gewonnene Wärme nicht für Abend und Nacht vorgehalten werden. Bei sehr niedrigem Warmwasserverbrauch – etwa in Singlehaushalten, die ausschließlich mit Durchlauferhitzer arbeiten – fehlt schlicht die Grundlage für nennenswerte Einsparungen.
Auch bei extrem knappem Budget sollten Sie priorisieren: Wenn zentrale Sanierungsmaßnahmen wie Dämmung, Fenstertausch oder Dacherneuerung noch ausstehen, ist es oft sinnvoller, dort zuerst zu investieren. Eine Solarthermie Anlage auf einem ungedämmten Haus verpufft einen Teil ihrer Wärme wirkungslos.
Das sind die Alternativen
Als Alternativen kommen vor allem strombasierte Lösungen infrage: Eine Photovoltaik Anlage in Kombination mit einer Wärmepumpe kann den Wärmebedarf komplett elektrisch decken und bietet zusätzlich die Möglichkeit, überschüssigen Strom einzuspeisen oder für Elektrofahrzeuge zu nutzen. Reine PV-Anlagen liefern Strom für den Haushalt und können über Heizstäbe oder Brauchwasser-Wärmepumpen auch zur Warmwasserbereitung beitragen. Holzpellet Heizungen sind eine weitere Option, wenn genügend Lagerraum vorhanden ist und Sie auf Biomasse setzen möchten.
In der Praxis lautet die Frage oft nicht „Solarthermie oder Photovoltaik?”, sondern „Welche Kombination aus PV, Solarthermie und effizienter Heizung passt am besten zu meinem Haus?”. Die optimale Lösung ist häufig ein hybrides System, das mehrere Technologien verbindet. Vor der Investition empfiehlt sich immer ein individueller Wirtschaftlichkeits-Check – etwa über einen Energieberater. So vermeiden Sie Fehlinvestitionen und finden das System, das wirklich zu Ihrem Haus passt.
Solarthermie ist keine Stand-alone-Lösung, sondern ein Effizienzbaustein. Richtig geplant, senkt sie dauerhaft den Brennstoff- oder Stromverbrauch und entlastet das Heizsystem spürbar. Entscheidend ist nicht, ob Solarthermie möglich ist, sondern ob sie sinnvoll ins Gesamtsystem Ihres Hauses integriert wird.
Jan Wanderer
Energie-Experte bei Enwendo
Fazit: Lohnt sich Solarthermie 2026?
Die Frage „Lohnt sich Solarthermie?” lässt sich nicht pauschal beantworten – aber mit einigen klaren Kriterien gut einschätzen. Ökologisch ist Solarthermie in fast allen Fällen sinnvoll: Sie reduziert CO₂-Emissionen, senkt die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und trägt zur Energieversorgung mit erneuerbaren Energien bei. Ökonomisch lohnt sich die Investition vor allem dann, wenn Sie mindestens drei Personen im Haushalt haben, Ihr Dach gut zur Sonne ausgerichtet ist, Ihr bestehendes Heizsystem einen hohen Verbrauch an Gas oder Öl aufweist und Sie die aktuellen Förderprogramme nutzen.
Als Daumenregel gilt: Wenn Sie ein Einfamilienhaus mit gutem Dach und Gas- oder Ölheizung besitzen und in den nächsten fünf Jahren ohnehin die Heizung modernisieren möchten, ist Solarthermie sehr oft wirtschaftlich. Die Kombination aus hohen Energiepreisen, attraktiver Förderung und technisch ausgereifter Technik macht den Einstieg so günstig wie selten zuvor.
Um Ihre persönliche Situation zu prüfen, stellen Sie sich drei Fragen: Passt mein Dach – Ausrichtung, Neigung, Verschattung? Wie hoch ist mein Warmwasser- und Heizbedarf? Welche Förderungen kann ich realistisch nutzen? Das Solarkataster Ihrer Kommune zeigt Ihnen in wenigen Klicks, wie viel Potenzial Ihr Dach hat. Ein unverbindliches Angebot von einem Fachbetrieb zusammen mit einer Beratung durch einen Energieberater bringt Klarheit über Kosten, Einsparungen und Fördermöglichkeiten.
Am Ende des Tages ist Solarthermie eine Investition in die Zukunft – für Ihr Haus, Ihre Heizkosten und das Klima. Ob sie sich für Sie persönlich rechnet, wissen Sie nach einer kurzen Prüfung. Den ersten Schritt zu gehen, lohnt sich in jedem Fall.
Häufige Fragen zur Solarthermie
In der Regel nein. In Ein- und Zweifamilienhäusern deckt eine Solarthermieanlage meist nur einen Teil des gesamten Wärmebedarfs ab. Sie eignet sich daher vor allem als Ergänzung zu anderen erneuerbaren Heizsystemen wie Wärmepumpen, Biomasse oder Fernwärme, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.
Ja, insbesondere dann, wenn die Heizung noch einige Jahre betrieben werden soll. Solarthermie kann den Brennstoffverbrauch deutlich senken, vor allem bei der Warmwasserbereitung im Sommer. Langfristig lässt sich die Anlage zudem in ein neues Heizsystem integrieren.
Optimal ist eine Südausrichtung mit einer Dachneigung zwischen etwa 30 und 60 Grad. Abweichungen nach Südost oder Südwest sind jedoch meist unproblematisch. Entscheidend ist vor allem eine möglichst verschattungsfreie Dachfläche – starke Verschattung reduziert den Ertrag deutlich.
Ja, aber sie sind vergleichsweise gering. Empfohlen wird eine Wartung alle zwei bis drei Jahre, bei der Solarflüssigkeit, Pumpe und Regelung geprüft werden. Über die gesamte Lebensdauer fallen deutlich geringere Kosten an als bei konventionellen Heizsystemen.
Das hängt vom Ziel ab. Solarthermie erzeugt Wärme, Photovoltaik Strom. Wer Warmwasser und Heizkosten senken möchte, profitiert von Solarthermie. Wer Strom selbst nutzen oder einspeisen will, ist mit Photovoltaik besser beraten. In vielen Fällen ist eine Kombination beider Systeme sinnvoll.