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Klimaneutral wohnen im Altbau – wie realistisch ist das?

Jan Wanderer
Jan Wanderer
Energie-Experte bei Enwendo
Stand: 15 Min. Lesezeit

Der Gebäudesektor verursacht 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. In Deutschland steht das Ziel fest: Bis 2045 soll das Land klimaneutral werden. Doch was bedeutet das für die Millionen Altbauten, die das Straßenbild prägen? Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Ausgangslage, die technischen Hebel, den rechtlichen Rahmen und realistische Strategien auf dem Weg zum klimaneutralen Wohnen im Altbau.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klimaneutral wohnen im Altbau ist realistisch, aber meist nur schrittweise erreichbar – durch weniger Energiebedarf, erneuerbare Wärme und möglichst eigenen Ökostrom.
  • Der größte Hebel liegt bei unsanierten Gebäuden vor 1979, weil sie oft besonders viel Heizenergie verlieren.
  • Ein einzelner Heizungstausch reicht selten aus. Gebäudehülle, Heiztechnik, Photovoltaik, Lüftung und Nutzerverhalten müssen zusammen betrachtet werden.
  • Nicht jeder Altbau wird vollständig netto null. Denkmalschutz, fehlende Dämmflächen oder begrenzte PV-Möglichkeiten können Grenzen setzen.
  • Ein individueller Sanierungsfahrplan hilft, Maßnahmen sinnvoll zu priorisieren, Fördermittel zu nutzen und Fehlinvestitionen zu vermeiden.

So gehen Sie vor

  1. Energiezustand prüfen lassen: Lassen Sie Verbrauch, Gebäudehülle, Heiztechnik und mögliche Wärmeverluste professionell bewerten.
  2. Sanierungsfahrplan erstellen: Planen Sie die Maßnahmen in Etappen – zum Beispiel erst Dachdämmung und hydraulischer Abgleich, später Fenster, Fassade und Heizung.
  3. Energiebedarf senken: Dämmen Sie zuerst dort, wo viel Wärme verloren geht und ohnehin Arbeiten anstehen.
  4. Fossile Heizung ersetzen: Prüfen Sie Wärmepumpe, Fernwärme, Biomasse oder Solarthermie – abhängig vom Gebäude und der kommunalen Wärmeplanung.
  5. Erneuerbaren Strom einbinden: Nutzen Sie Photovoltaik oder Ökostrom, um Wärmepumpe und Haushaltsstrom klimafreundlicher zu betreiben.
  6. Förderung vorab sichern: Beantragen Sie BEG-, KfW- oder BAFA-Fördermittel immer vor Beginn der Sanierungsarbeiten.

Wie realistisch ist klimaneutrales Wohnen im Altbau bis 2045?

Klimaneutral wohnen im Altbau ist prinzipiell möglich – aber selten sofort als Netto Null ohne Rest-Emissionen erreichbar. Der Weg führt über Etappen: Energiebedarf drastisch senken, fossile Energie durch erneuerbare Energien ersetzen und verbleibende CO2-Emissionen bilanziell ausgleichen. Ein einzelnes Gerät im Keller reicht dafür nicht.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2023 verursachten Wohngebäude rund 102 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente im Gebäudebereich – der Gebäudebereich verursacht damit rund ein Drittel aller CO₂-Emissionen in Deutschland. Davon entfällt der Großteil auf Wohnhäuser. Klimaneutrale Gebäude verursachen keine zusätzlichen CO₂-Emissionen – das ist das Ziel.

Besonders Gebäude vor 1979, also vor der ersten Wärmeschutzverordnung, haben den größten Hebel. Sie weisen überproportional hohe Energiebedarfe auf. Durch eine energetische Sanierung können Wärmepumpen den Energiebedarf um den Faktor drei bis vier senken – vorausgesetzt, die Gebäudehülle wird mitgedacht.

Vollständig klimaneutral im Sinne von Netto Null im laufenden Betrieb ist für viele Altbauten erreichbar, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Der Energiebedarf wird stark gesenkt, erneuerbare Energien decken den Rest-Bedarf und verbleibende Emissionen werden bilanziell ausgeglichen. Das erfordert eine abgestimmte Kombination aus Effizienz und erneuerbarer Wärme, Strom und Technik. Eine fachkundige Energieberatung mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) zeigt, wie nah ein konkreter Altbau an dieses Ziel herankommen kann.

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Was bedeutet „klimaneutral wohnen“ im Altbau konkret?

Klimaneutral wohnen bedeutet für Bestandsgebäude pragmatisch: Die CO2-Emissionen aus Heizung, Warmwasser und Strom minimieren – und den unvermeidbaren Rest kompensieren. Ein klimaneutrales Gebäude nutzt erneuerbare Energien wie Solarenergie, und klimaneutrale Gebäude nutzen erneuerbare Energien für Wärme und Strom. So entsteht über ein Jahr betrachtet eine Bilanz nahe Null.

Wichtig ist die Abgrenzung: Klimaneutralität im Wohnen bezieht sich zunächst auf die Betriebsphase des Gebäudes – also Heizen, Warmwasser, Haushaltsstrom. Die sogenannte graue Energie aus Bau und Sanierung (Herstellung von Baustoffen, Transport, Einbau) wird separat betrachtet. Graue Energie kann durch den Erhalt der Bausubstanz gespart werden, was bei Altbau-Sanierungen ein großer Vorteil gegenüber Neubau ist.

Als Beispiel: Ein unsaniertes Haus Baujahr 1965 mit Gasheizung und einfacher Verglasung verbraucht leicht 200 kWh/m² pro Jahr an Heizwärme. Nach umfassender Sanierung – Dach, Fenster, Fassade, moderne Wärmeerzeugung – sinkt der Bedarf auf 70 kWh/m²a oder weniger. Energetisch sanierte Altbauten können so viel CO2 einsparen. Aber: Klimaneutrales Wohnen hängt auch vom Nutzerverhalten ab. Wer bei 24 °C Dauerheizt und ständig bei offenem Fenster lüftet, macht technische Gewinne zunichte.

klimaneutral wohnen im Altbau

Altbaubestand in Deutschland: Ausgangslage für klimaneutrales Wohnen

In Deutschland gibt es rund 19,5 Millionen Wohngebäude mit etwa 43 Millionen Wohnungen. Der Großteil wurde vor 1990 errichtet, rund 75 Prozent aller Wohnungen entstanden vor 1978. Diese Gebäude prägen den Gebäudebestand – und sind energetisch die größte Baustelle. Rund 70 Prozent der Wohngebäude müssen energetisch saniert werden, um die Klimaziele zu erreichen.

Typische Altbau-Typen und ihre Schwachstellen:

  • Gründerzeithäuser (vor 1918): Vollziegel, hohe Decken, keine Dämmung, oft denkmalgeschützt
  • Nachkriegsbauten (1950–1978): Einfaches Mauerwerk, alte Fenster, veraltete Heiztechnik
  • Ein-/Mehrfamilienhäuser der 60er/70er: Dünne Wände, hohe Vorlauftemperaturen, schlechte Gebäudehülle

Der Zustand alter Bausubstanz ist oft unvorhersehbar – ältere Gebäude bergen oft unvorhersehbare Risiken bei der Sanierung. Gleichzeitig frisst die steigende Wohnfläche pro Person Effizienzgewinne auf: Heute werden pro Kopf über 49 m² Wohnraum beheizt, 1990 waren es noch 35 m². Die Sanierungsquote liegt aktuell bei nur 0,7 Prozent jährlich – die Sanierungsquote muss bis 2030 auf drei Prozent jährlich steigen, um die Klimaschutzziele zu schaffen.

Energiebedarf im typischen Altbau: Wo stehen wir heute?

Unsanierte Altbauten erreichen Heizwärmebedarfe von 150 bis 250 kWh/m² pro Jahr, manche sogar mehr. Effiziente Häuser liegen bei 40 bis 55 kWh/m²a. Energetische Sanierungsmaßnahmen reduzieren den Heizenergiebedarf massiv: Moderne Fenster und Türen reduzieren Energieverluste, Dachdämmung und Fassadensanierung senken Transmissionsverluste.

Ein unsanierter Altbau von 1965 mit Ölheizung lässt sich durch ein Maßnahmenpaket – Dach, Wände, Fenster, neue Heizung – auf unter 70 kWh/m²a bringen. Das ist eine Reduktion um Faktor 3. Der reale Verbrauch hängt dabei stark von der Ausführungsqualität ab: Luftdichtheit, Heizlastberechnung und hydraulischer Abgleich entscheiden, ob die Theorie in der Praxis aufgeht. Weniger Energieverbrauch erhöht den Wohnkomfort und den Immobilie-Wert – ein doppelter Gewinn.

Rechtlicher Rahmen: Klimaneutralität bis 2045 und Anforderungen an Altbauten

Das deutsche Klimaschutzgesetz gibt den Takt vor: Bis 2045 soll die Strom- und Wärmeversorgung vollständig erneuerbar sein. Im Gebäudesektor sollen die Emissionen bis 2030 auf rund 67 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente sinken. Die EU-Kommission plant klimaneutrale Gebäude bis 2050 – Deutschland will fünf Jahre schneller sein, ein ambitioniertes Ziel im Koalitionsvertrag.

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) setzt konkrete Vorgaben: Heizungen in Neubauten müssen ab 2024 mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen. Für den Bestand greift diese Regel je nach Kommune ab 2026 oder 2028, gekoppelt an die kommunale Wärmeplanung. Fossile Heizungsanlagen können durch erneuerbare Systeme ersetzt werden – und müssen es bis 2045 auch. Die neuen Energieausweise und Effizienzhaus-Standards der KfW bestimmen, welche Förderquoten möglich sind.

Aktuell gibt es keine Pflicht, jeden Altbau auf Netto Null zu bringen. Aber die schrittweisen Verschärfungen und steigende CO₂-Preise machen fossiles Heizen zunehmend teuer und unattraktiv.

Soziale Dimension: Bezahlbarkeit von klimaneutralem Wohnen im Altbau

Die Kosten für die Wärmewende im Gebäudebereich sind gewaltig. Die Modernisierungskosten könnten bis 2045 auf 82,5 Milliarden Euro steigen – bis 2045 sollen 82,5 Milliarden Euro für Sanierungen investiert werden. Das wirft Fragen auf: Wer zahlt?

Rechtlich könnten 80 bis 90 Prozent der Modernisierungskosten auf Mieter umgelegt werden. Mieter könnten mit einem Plus von ein bis zwei Euro pro Quadratmeter rechnen. Dem stehen allerdings Heizkosteneinsparungen von 50 bis 70 Prozent gegenüber. Die soziale Ungleichheit könnte durch hohe Modernisierungskosten verstärkt werden, denn Haushalte mit geringem Einkommen geben oft einen großen Anteil ihres Einkommens fürs Wohnen aus. Die Gefahr der energetischen Verdrängung in angespannten Wohnungsmärkten ist real.

Fördermittel mildern die Last: Bis zu 50 Prozent der Kosten übernimmt der Staat für energetische Sanierungen. Steuerliche Förderung bis zu 40.000 Euro pro Wohnobjekt ist möglich. Entscheidend ist eine sozial ausgewogene Förderpolitik – und eine kluge Planung der Einsatz-Reihenfolge.

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Technische Hebel: Wie kommt der Altbau in Richtung Netto Null?

Vier Handlungsfelder müssen zusammenwirken: Gebäudedämmung und Wärmeschutz, klimaneutrale Heizsysteme, erneuerbare Stromerzeugung sowie Lüftung und Nutzerverhalten. Nicht jedes Haus braucht alles – sinnvoll ist eine abgestimmte Kombination je nach Baujahr, Zustand und Lage. Hohe Sanierungskosten fordern eine individuelle Planung.

Eine ganzheitliche Energieberatung – etwa durch Enwendo mit Vor-Ort-Termin und iSFP – hilft, Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge und Förderlogik zu planen. Im Folgenden die wichtigsten Stellschrauben im Fokus.

Energiebedarf senken: Wärmeschutz und Gebäudedämmung im Altbau

Die Reduktion des Wärmebedarfs ist der erste große Hebel. Ohne gedämmte Hülle bleibt auch die beste Wärmepumpe ineffizient. Typische Maßnahmen:

  • Dachdämmung (20–30 cm) oder oberste Geschossdecke
  • Fassadendämmung der Außenwände
  • Kellerdeckendämmung
  • Austausch alter Fenster auf Dreifachverglasung
  • Verbesserung der Luftdichtheit

Besonders wirtschaftlich sind Maßnahmen, die sich im Rahmen ohnehin anstehender Arbeiten mitmachen lassen – etwa Fassadendämmung bei Putzenerneuerung oder Dachdämmung beim Dachausbau. Die Nutzung solarer Gewinne erfordert dabei große Fensterflächen nach Süden. Der hydraulische Abgleich verteilt das Heizwasser gleichmäßig im Haus und ist oft der günstigste Einstieg. Ein Altbau mit 200 kWh/m²a kann durch definierte Paket-Maßnahmen auf 70 kWh/m²a sinken.

Luftwärmepumpe Altbau

Klimaneutrale Wärme: Heizungssysteme für den Altbau

Das Ziel ist klar: Den verbleibenden Wärmebedarf mit erneuerbarer Energie decken. Die wichtigsten Optionen:

  • Wärmepumpe (Luft-Wasser, Sole-Wasser): Wärmepumpen arbeiten effizienter mit Fußboden- oder Wandheizungen und Vorlauftemperaturen unter 55 °C. Zielwert: Jahresarbeitszahl über 3,0 bis 3,5.
  • Wärmenetze: In dicht bebauten Quartieren oft die sinnvollste Lösung für die Wärmeversorgung, sofern das Netz zunehmend erneuerbar gespeist wird.
  • Biomasse: Pelletheizungen als Übergangslösung vor allem in ländlichen Regionen. Holzbau ist generell eine klimafreundliche Alternative zu Beton.
  • Solarthermie: Ergänzend für Warmwasser und Heizungsunterstützung. Lohnt sich Solarthermie? Das hängt vom Einzelfall ab.

Der CO₂-Fußabdruck einer Wärmepumpe hängt stark von der Stromquelle ab. Ökostrom oder eigene Photovoltaik verbessern die Bilanz massiv. Ältere Heizungsanlagen über 15 Jahre sollten ausgetauscht werden. Solarthermie und Photovoltaikanlagen können zur Stromerzeugung genutzt werden – ein zentraler Bestandteil der Wärmewende.

Strom aus erneuerbaren Energien: Photovoltaik und Co. im Altbau

Klimaneutrales Wohnen im Altbau ist ohne erneuerbaren Strom kaum denkbar. Ein Einfamilienhaus mit einer 10-kWp-Photovoltaik-Anlage (ca. 50–60 m² Dachfläche) erzeugt jährlich rund 9.000 bis 10.000 kWh Strom. Damit lassen sich Haushaltsstrom und ein Teil des Wärmepumpenbedarfs direkt decken – das spart mehrere Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber Graustrom und fossiler Heizung.

Auch auf Ost-/West-Dächern sind Photovoltaikanlagen wirtschaftlich und verteilen die Erträge besser über den Tag. Bei nicht nutzbarem Hauptdach – etwa durch Denkmalschutz oder ungünstige Ausrichtung – kommen Fassaden-PV oder aufgeständerte Lösungen infrage. Wer keine eigene PV hat, kann zumindest mit einem zertifizierten Ökostromtarif die CO2-Bilanz verbessern. Eine Kombination aus Wärmepumpe mit Solar ist dabei besonders wirkungsvoll.

Lüftung, Smart Home und Nutzerverhalten

In gut gedämmten Altbauten ist kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung wichtig: Sie vermeidet Schimmel und sichert gute Luftqualität bei minimalen Wärmeverlusten. Die zuletzt durchgeführte Sanierung sollte nicht älter als 20 Jahre sein – sonst gehen Effizienzgewinne wieder verloren.

Einfache Optimierungen bringen viel: hydraulischer Abgleich, programmierbare Thermostate, Nachtabsenkung, smarte Einzelraumregelung. Klimaneutrales Wohnen ist ohne Mitwirkung der Menschen im Zuhause kaum erreichbar. Praktische Tipps: Wohnräume auf 20–21 °C, Schlafzimmer auf 17–18 °C, sparsam Warmwasser nutzen. Alte Baustoffe können bei Sanierungen wiederverwendet werden – ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit im Bestand.

Fördermittel und Wirtschaftlichkeit: Rechnet sich klimaneutrales Sanieren im Altbau?

Die Förderkulisse in Deutschland ist umfangreich. Die wichtigsten Instrumente:

  • BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude): Zuschüsse für Einzelmaßnahmen und ganzheitliche Sanierung
  • KfW-Förderung: Die KfW bietet zinsgünstige Kredite für klimafreundliches Bauen und Sanieren
  • BAFA-Förderung: BAFA fördert Einzelmaßnahmen zur energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden
  • Steuerliche Förderung (§ 35c EStG): Bis zu 40.000 Euro pro Wohnobjekt

Förderungen gelten nicht für Neubauten, sondern für Bestandsgebäude – genau dort, wo der Hebel am größten ist. Ein individueller Sanierungsfahrplan sichert bis zu 70 Prozent Förderung durch den iSFP-Bonus. Bis zu 50 Prozent der Kosten übernimmt der Staat.

Beispiel: Altbau-EFH, Investition 100.000 € für Dämmung, Fenster, Wärmepumpe und PV. Nach Förderung (ca. 40 %) liegt der Eigenanteil bei rund 60.000 €. Jährliche Heizkosteneinsparung: 4.000 bis 6.000 €, dazu deutliche CO₂-Reduktion. Die Einsparungen amortisieren den Umbau über die Jahre – unterstützt durch Energieeffizienz und sinkende Betriebskosten.

Rolle der Energieberatung: Vom ersten Energieausweis zum Sanierungsfahrplan

Ohne qualifizierte Energieberatung sind Fehlplanungen wahrscheinlich: falsche Reihenfolge, überdimensionierte Technik, ineffiziente Dämmmaßnahmen. Eigentümer von Altbauten können kaum überblicken, welche Kombination aus Maßnahmen technisch sinnvoll, wirtschaftlich und förderfähig ist.

Enwendo geht systematisch vor: Vor-Ort-Termin mit zertifiziertem Energieberater, Bestandsaufnahme aller Bauteile, Erstellung oder Prüfung des Energieausweises, Heizlastberechnung und Entwicklung eines iSFP mit zeitlicher Priorisierung. Die CO₂-Emissionen und Energiebedarfe werden vor und nach Sanierung durchgerechnet. Auch die Unterstützung bei der Beantragung von BEG-Förderungen gehört dazu. Eine geförderte Energieberatung ist selbst bereits bezuschusst und oft Voraussetzung für höhere Förderquoten. Der erste Schritt kostet wenig – und spart etwas Entscheidendes: teure Fehler.

Realistische Strategien: In Etappen klimaneutral wohnen im Altbau

Die wenigsten Eigentümer sanieren ihren Altbau in einem Schritt zum Netto-Null-Gebäude. Ein typischer Etappenplan über 10 bis 15 Jahre:

Etappe 1 (1–3 Jahre): Energieberatung und iSFP, hydraulischer Abgleich, Dachdämmung oder Kellerdecke, erste PV-Module. CO₂-Reduktion: bereits 30–40 %.

Etappe 2 (3–8 Jahre): Fenstertausch, Fassadendämmung, Vorbereitung für Niedertemperatur-Heizung. CO₂-Reduktion: weitere 20–30 %.

Etappe 3 (8–15 Jahre): Austausch der fossilen Heizung gegen Wärmepumpe oder Fernwärme, Erweiterung PV, ggf. Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Zielmarke: nahe Netto Null.

Ein konkretes Beispiel: Altbau von 1975, 140 m² Fläche, Ölheizung, 200 kWh/m²a. Nach Etappe 1 sinkt der Bedarf auf 120 kWh/m²a. Nach Etappe 2 auf 75 kWh/m²a. Nach Etappe 3 mit erneuerbarer Wärme und PV: bilanziell nahe Netto Null. Jede Etappe verringert die Abhängigkeit von fossiler Energie und steigenden Preisen – nicht erst das Endziel bringt Klimaschutz.

Grenzen der Klimaneutralität im Altbau: Wo bleibt ein Rest?

Absolute Klimaneutralität ist im Altbau nicht überall realistisch. Denkmalschutzauflagen können die energetische Sanierung einschränken. Nicht dämmfähige Fassaden, fehlende Fläche für PV, kein Zugang zu erneuerbarer Fernwärme in Randlagen – das sind reale Grenzen im Wohnungsbau und Gebäudebereich.

In solchen Fällen ist eine Emissionsminderung von 80 bis 90 Prozent gegenüber dem Ausgangszustand der pragmatische Weg, kombiniert mit Rest-Kompensation über zertifizierte Klimaschutz-Projekte. Selbst dort lohnt sich der Einsatz: Geringere Energiekosten, höherer Immobilie-Wert und ein konkreter Beitrag zum Klimawandel-Schutz. Die Studie zur Umwelt-Wirkung zeigt: Jede Tonne CO2, die nicht emittiert wird, zählt. Auch Bürogebäude und Wohnhäuser in schwierigen Lagen können massiv profitieren.

Viele Hausbesitzer glauben, sie müssten ihren Altbau auf einmal komplett sanieren. In der Praxis ist das selten nötig. Mit einem gut geplanten Sanierungsfahrplan lassen sich die Maßnahmen über viele Jahre sinnvoll aufeinander aufbauen – technisch, finanziell und fördertechnisch. So kommen Sie Schritt für Schritt einem klimaneutralen Zuhause näher.

Jan Wanderer

Energie-Experte bei Enwendo

Fazit: Wie realistisch ist klimaneutral wohnen im Altbau – und was ist der erste Schritt?

Klimaneutral wohnen im Altbau ist kein Wunschdenken, aber auch kein Selbstläufer. In vielen Fällen ist es technisch erreichbar – in anderen zumindest annähernd. Die Voraussetzungen: systematische Senkung des Energiebedarfs, Einsatz erneuerbarer Energien, und wo nötig Rest-Kompensation. Das Sorgen für Klima und Umwelt ist damit konkret umsetzbar.

Der Weg dorthin braucht eine mehrjährige Sanierungsstrategie, abgestimmt auf Gebäudezustand, Budget und Förderkulisse. Frühe Maßnahmen wie Dachdämmung, hydraulischer Abgleich, PV und Heizungstausch senken CO2-Emissionen und Energiekosten bereits heute spürbar. Dabei spielen auch Informationen zu Fördermitteln und die Rolle qualifizierter Beratung eine entscheidende Rolle.

Der erste Schritt ist immer derselbe: Den eigenen Altbau verstehen, bevor man investiert. Eine qualifizierte Energieberatung – etwa mit Enwendo – bilanziert den Stand quo, berechnet Einsparpotenziale und entwickelt einen individuellen Sanierungsfahrplan mit Förderoptimierung. Bis 2030 können viele Altbauten bereits 60 bis 80 Prozent ihrer Emissionen reduzieren. Bis 2045 ist Netto Null in vielen Fällen machbar. Vor allem aber gilt: Jede Maßnahme, die heute umgesetzt wird, zahlt auf den Klimaschutz von morgen ein.

Häufige Fragen zum klimaneutralen Wohnen im Altbau

Kann jeder Altbau klimaneutral werden?

Nicht jeder Altbau erreicht eine vollständige Klimaneutralität. Faktoren wie Denkmalschutz, bauliche Einschränkungen oder fehlende Flächen für Photovoltaik können das erschweren. In den meisten Fällen lassen sich die CO₂-Emissionen jedoch durch eine energetische Sanierung deutlich reduzieren.

Reicht der Einbau einer Wärmepumpe für klimaneutrales Wohnen aus?

In der Regel nein. Eine Wärmepumpe arbeitet besonders effizient, wenn der Wärmebedarf des Gebäudes bereits reduziert wurde. Deshalb sollten Gebäudehülle, Heizsystem und Stromversorgung immer gemeinsam betrachtet werden.

Welche Sanierungsmaßnahme bringt den größten Effekt?

Das hängt vom Gebäude ab. Besonders wirksam sind häufig die Dämmung von Dach und Außenwänden, der Austausch alter Fenster sowie der Wechsel auf ein erneuerbares Heizsystem. Eine Energieberatung zeigt, welche Maßnahmen sich im Einzelfall am meisten lohnen.

Welche Förderungen gibt es für die Sanierung eines Altbaus?

Für viele Maßnahmen stehen Förderprogramme der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), KfW-Kredite sowie steuerliche Förderungen zur Verfügung. Welche Programme infrage kommen, hängt von den geplanten Maßnahmen und dem Sanierungsziel ab.

Muss ich alle Sanierungsmaßnahmen auf einmal umsetzen?

Nein. Viele Eigentümer sanieren ihren Altbau schrittweise über mehrere Jahre. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) legt eine sinnvolle Reihenfolge fest und hilft dabei, Fördermittel optimal zu nutzen.

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