Frische Luft ist lebensnotwendig – und doch machen viele Hausbesitzer beim Thema Lüften grundlegende Fehler, die teuer werden können. Falsches Lüften führt nicht nur zu Schimmelbildung an Wänden und in Raumecken, sondern treibt auch die Heizkosten unnötig in die Höhe.
Richtiges Lüften gehört untrennbar zu richtigem Heizen, zur Dämmung und zur Schimmelprävention. In diesem Ratgeber erfahren Sie konkret: wie Stoßlüften funktioniert, welche Regeln im Sommer und Winter gelten, was Sie in einzelnen Räumen beachten müssen, wie Hygrometer und Lüftungsanlagen helfen – und wann eine professionelle Energieberatung sinnvoll ist.
Das Wichtigste in Kürze
- In einem 4-Personen-Haushalt entstehen täglich 8–12 Liter Feuchtigkeit, die durch richtiges Lüften abgeführt werden muss.
- Stoß- und Querlüften sind deutlich effektiver und energiesparender als dauerhaft gekippte Fenster.
- Ein gesundes Raumklima liegt bei 40–60 % Luftfeuchtigkeit; dauerhaft höhere Werte erhöhen das Schimmelrisiko.
- Richtiges Lüften funktioniert nur zusammen mit ausreichender Beheizung – kalte Räume begünstigen Kondensfeuchte.
- Im Winter kurz und häufig, im Sommer nur zu kühlen Tageszeiten lüften.
- Nach einer energetischen Sanierung ist bewussteres Lüften unverzichtbar, da der natürliche Luftaustausch stark reduziert ist.
So gehen Sie vor
- Luftfeuchte im Blick behalten: Nutzen Sie ein Hygrometer und achten Sie darauf, dass die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft zwischen 40 und 60 Prozent liegt – im Winter eher am unteren Ende.
- Regelmäßig stoßlüften: Öffnen Sie die Fenster mehrmals täglich für wenige Minuten vollständig. Querlüften mit gegenüberliegenden Fenstern sorgt für den schnellsten Luftaustausch.
- Heizen und Lüften kombinieren: Halten Sie Wohnräume auf mindestens 17–18 Grad Celsius und drehen Sie die Heizung während des Lüftens kurz herunter, um Energieverluste zu vermeiden.
- Lüftung an die Jahreszeit anpassen: Im Winter kurz und häufig lüften, im Sommer nur früh morgens oder spät abends, wenn die Außenluft kühler ist als die Innenluft.
- Problemräume gezielt behandeln: Lüften Sie Bad und Küche direkt nach Feuchtespitzen, halten Sie Türen zu kühleren Räumen geschlossen und lüften Sie Keller nur bei geeigneter Außenluft.
- Nach Sanierung neu denken: Passen Sie Ihr Lüftungsverhalten nach Fenstertausch oder Dämmmaßnahmen bewusst an – dichte Gebäude benötigen ein aktiveres Lüftungskonzept.
- Beratung nutzen, wenn Unsicherheit besteht: Bei wiederkehrender Feuchte oder Schimmel hilft eine professionelle Energieberatung, um Lüftung, Heizung und Gebäudehülle sinnvoll aufeinander abzustimmen.
Grundlagen: Feuchtigkeit, Temperatur und gesundes Raumklima
Um das Thema Lüften richtig zu verstehen, brauchen es ein Grundverständnis für das Zusammenspiel von Luftfeuchte und Temperatur.
Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Prozent der maximal möglichen Wassermenge die Luft bei einer bestimmten Temperatur enthält. Optimal für Wohnräume sind etwa 40 bis 60 Prozent. Im Winter sollten Sie eher 40 bis 50 Prozent anstreben, da kalte Außenwände sonst schnell zu Kondensationsflächen werden.
Feuchtigkeit entsteht in jeder Wohnung durch ganz normale Aktivitäten: Menschen und Haustiere geben beim Atmen kontinuierlich Wasserdampf ab, Zimmerpflanzen verdunsten Wasser, beim Kochen steigt Dampf auf, beim Duschen oder Baden entsteht erhebliche Feuchtigkeit, und auch trocknende Wäsche gibt literweise Wasser an die Raumluft ab. Nach einer Sanierung oder in einem Neubau kommt zusätzlich Baufeuchte hinzu, die über Monate hinweg entweichen muss. In einem typischen 4-Personen-Haushalt geben die Bewohner durch Atmen, Duschen, Kochen und Wäsche trocknen täglich etwa 8 bis 12 Liter Wasser an die Raumluft ab. Diese Feuchtigkeit muss konsequent nach draußen transportiert werden – sonst drohen Schäden an der Bausubstanz.
Besonders in modernen, gut gedämmten Gebäuden mit neuen Fenstern und Wärmedämmverbundsystemen ist aktives Lüften unverzichtbar geworden. Seit etwa 2010 werden Häuser so dicht gebaut, dass der früher übliche natürliche Luftaustausch durch Ritzen und undichte Stellen kaum noch stattfindet. Das ist einerseits gut für die Energieeffizienz – andererseits müssen Sie als Eigentümer nun bewusst für ausreichend Frischluftzufuhr sorgen.
Der entscheidende Zusammenhang: Warme Luft kann deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Wenn warme, feuchte Innenraumluft auf kalte Oberflächen trifft – etwa auf schlecht gedämmte Außenwände oder Fensterlaibungen – kühlt sie ab und kann die Feuchtigkeit nicht mehr halten. Das Wasser kondensiert, und genau dort beginnen Schimmelpilze zu wachsen.
Wann wird Schimmel zum Problem?
Schimmel kann bereits ab etwa 70 bis 80 Prozent relativer Feuchte an Oberflächen wachsen. Besonders gefährdet sind:
- Außenecken von Räumen
- Bereiche hinter Möbeln, die direkt an Außenwänden stehen
- Fensterlaibungen und Fensterbänke
- Bereiche unter Fensterbrettern mit Heizkörpern
Ein behagliches Raumklima liegt typischerweise bei 20 bis 22 Grad Celsius im Wohnzimmer und 18 bis 20 Grad im Schlafzimmer. Wichtig: Räume, die dauerhaft unter etwa 17 Grad gehalten werden, haben ein deutlich höheres Risiko für Kondensfeuchte und damit für Schimmelbefall.
Stoßlüften statt Kippen: Die wichtigsten Regeln auf einen Blick
Beim Lüften gibt es eine einfache Devise: kurz und kräftig schlägt lang und lasch. Stoßlüften bedeutet, dass Sie die Fenster für eine begrenzte Zeit vollständig öffnen – idealerweise mit Durchzug durch gegenüberliegende Fenster oder Türen (Querlüften). So erreichen Sie in wenigen Minuten einen vollständigen Luftaustausch, ohne dass Wände und Möbel auskühlen.
Die Kernregeln für effektives Stoßlüften:
| Jahreszeit | Häufigkeit | Dauer | Besonderheiten |
| Winter (Nov–Feb) | 2–3 Mal täglich | 5–10 Minuten | Heizung vorher runterdrehen |
| Übergangszeit (März/Apr, Sep/Okt) | 3–4 Mal täglich | 10–15 Minuten | Je nach Außentemperatur anpassen |
| Sommer (Juni–Aug) | 2–3 Mal täglich | 15–30 Minuten | Nur morgens früh und abends spät |
Warum gekippte Fenster problematisch sind:
Dauerhaft auf Kipp gestellte Fenster sind der häufigste Fehler beim Lüften. Der Luftaustausch ist minimal, während die Wärmeverluste erheblich sind. Die Fensterlaibung kühlt stark aus, was das Schimmelrisiko erhöht statt senkt. Studien zeigen, dass gekippte Fenster in beheizten Räumen 100 bis 200 kWh pro Jahr und Fenster an zusätzlicher Heizenergie verbrauchen können.
Querlüften ist besonders effektiv: Wenn Sie gegenüberliegende Fenster oder Fenster und Türen gleichzeitig öffnen, strömt frische Luft zwingend durch den gesamten Raum. Das ist ideal nach dem Kochen, nach dem Duschen oder wenn viele Menschen im Raum waren.
Praktischer Tipp für Räume mit Heizkörpern unter dem Fenster:
Drehen Sie vor dem Lüften das Thermostatventil auf die Frostschutzstellung (Sternchen oder 0). So verhindern Sie, dass der Heizkörper während des Lüftens auf Hochtouren läuft und Energie verschwendet wird. Nach dem Schließen des Fensters stellen Sie die gewünschte Raumtemperatur wieder ein.
Im Rahmen von Vor-Ort-Energieberatungen arbeiten wir individuelle Lüftungspläne aus – denn ein Altbau mit Kastenfenstern braucht andere Strategien als ein Neubau mit Dreifachverglasung.
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Ihrer Region aktiv sind.
Richtig lüften im Winter
Die kalte Jahreszeit ist paradoxerweise ideal zum Entfeuchten Ihrer Wohnung. Der Grund: Kalte Außenluft enthält absolut gesehen sehr wenig Feuchtigkeit. Wenn diese Luft ins Haus strömt und sich erwärmt, kann sie große Mengen Feuchtigkeit aufnehmen und beim nächsten Lüften nach draußen transportieren.
Lüftungsdauer nach Außentemperatur:
- Unter 0 Grad Celsius: 3–5 Minuten Stoßlüften reichen meist aus
- 0 bis 5 Grad Celsius: 5–7 Minuten einplanen
- 5 bis 10 Grad Celsius: 7–10 Minuten für vollständigen Luftwechsel
Je kälter es draußen ist, desto schneller und effektiver funktioniert der Feuchteabtransport. Gleichzeitig müssen Sie aufpassen, dass Wände und Möbel nicht zu stark auskühlen – daher die kürzeren Lüftungszeiten bei Frost.
Kondenswasser richtig deuten:
Wenn Sie morgens Kondenswasser an Ihren Fenstern bemerken, ist das ein deutliches Warnsignal. Es bedeutet: Die Raumluftfeuchte war nachts zu hoch, und die Fensteroberfläche war die kälteste Stelle im Raum. Modernes Isolierglas ist so gut gedämmt, dass nicht mehr das Fenster, sondern oft die Außenwand die kälteste Oberfläche ist – dort kondensiert die Feuchte dann unsichtbar und Schimmel kann wachsen.
Tipps für das Zusammenspiel von Heizen und Lüften im Winter:
- Halten Sie alle Wohnräume auf mindestens 17–18 Grad Celsius
- Schließen Sie Türen zwischen unterschiedlich temperierten Räumen
- Lassen Sie warme, feuchte Luft nicht in kältere Schlafräume strömen
- Wischen Sie Kondenswasser an Fenstern regelmäßig ab
Beispiel: Tagesablauf in einem Einfamilienhaus im Januar
Morgens nach dem Aufstehen öffnen Sie im Schlafzimmer das Fenster weit für 5 Minuten – die kühle Nachtluft hat viel Feuchtigkeit aufgenommen, die jetzt raus muss. Nach dem Frühstück und der morgendlichen Dusche lüften Sie Küche und Bad jeweils 5–7 Minuten bei weit geöffnetem Fenster. Am frühen Nachmittag, wenn Sie zu Hause sind, eine weitere kurze Stoßlüftung im Wohnzimmer. Abends vor dem Schlafengehen noch einmal alle Räume kurz durchlüften.
Besonders in energetisch sanierten Häusern mit dreifach verglasten Fenstern reagiert das Raumklima sensibel auf falsches Lüften. Die dichte Gebäudehülle verzeiht nichts – hier lohnt sich eine professionelle Energieberatung, um Lüftungsintervalle exakt auf Ihr Gebäude abzustimmen.
Richtig lüften im Sommer
Im Sommer gelten andere Regeln. Warme Außenluft bei 25 bis 35 Grad Celsius enthält oft erhebliche Mengen Feuchtigkeit – vor allem bei schwülem Wetter. Wenn Sie tagsüber lüften, holen Sie sich Wärme und Feuchte ins Haus statt sie loszuwerden.
Die goldene Sommerregel: Lüften Sie in den Monaten Juni, Juli und August – sowie an heißen Tagen im Mai und September – nur zu kühlen Tageszeiten:
- Früh morgens: zwischen 5 und 8 Uhr
- Spät abends und nachts: zwischen 21 und 24 Uhr
Zu diesen Zeiten ist die Außenluft kühler und trockener. Öffnen Sie die Fenster dann für 15 bis 30 Minuten weit – je länger, desto besser, solange es draußen kühler ist als drinnen.
Besonderheiten bei schwülem Wetter:
Bei Gewittern, hoher Schwüle oder Regen kann die Außenluft paradoxerweise feuchter sein als die Innenluft. In solchen Fällen gilt: kurz, aber effektiv stoßlüften, wenn die Innenluft spürbar stickiger ist. Ein Hygrometer hilft bei der Entscheidung – ist die Luftfeuchte innen höher als außen, lohnt sich das Lüften.
Tipps für Dachgeschosswohnungen:
Dachgeschosse heizen sich im Sommer besonders stark auf. Hier ist clever Lüften besonders wichtig:
- Tagsüber Rollläden und Jalousien geschlossen halten
- Intensiv lüften am späten Abend und frühen Morgen
- Querlüften nutzen, um einen kräftigen Durchzug zu erzeugen
- Ein Ventilator kann die Luftbewegung unterstützen (kühlt die Luft nicht, aber verbessert das Wohlbefinden)
Achtung Keller im Sommer:
Ein häufiger Fehler: Im Hochsommer werden Kellerfenster tagsüber geöffnet, um „frische Luft” reinzulassen. Das Ergebnis ist das Gegenteil von dem, was Sie wollen. Die warme, feuchte Außenluft strömt in den kühlen Keller, und an den kalten Kellerwänden kondensiert die Feuchtigkeit. Sogenannte Sommerkondensation kann massive Feuchtigkeitsschäden verursachen.
Die Lösung: Kellerfenster nur spät abends oder nachts öffnen, wenn die Außenluft merklich kühler ist als die Kellertemperatur.
Übrigens: Smarter Einsatz von Sonnenschutz (Außenrollläden, Markisen) und energetische Sanierungsmaßnahmen wie Dachdämmung reduzieren die Überhitzung im Sommer erheblich.
Raumspezifische Lüftungstipps im Alltag
Nicht jeder Raum braucht die gleiche Lüftungsstrategie. Je nach Nutzung, Lage und Feuchtebelastung sollten Sie Ihr Vorgehen anpassen. Im Folgenden finden Sie konkrete Empfehlungen für die wichtigsten Räume in Ihrem Hause.
Schlafzimmer: Im Schlafzimmer gibt jede Person beim Atmen nachts etwa 0,3 bis 0,5 Liter Wasser ab. Vor dem Schlafengehen und direkt nach dem Aufstehen sollten Sie deshalb 5 bis 10 Minuten stoßlüften. Halten Sie tagsüber die Türen zu kühler gehaltenen Schlafräumen geschlossen, damit warme, feuchte Luft aus Wohnzimmer oder Küche nicht eindringt. Stellen Sie Bett und Schränke nicht direkt an kalte Außenwände – halten Sie mindestens 5 bis 10 Zentimeter Abstand und lüften Sie regelmäßig dahinter.
Wohnzimmer und Arbeitszimmer: Bei normaler Nutzung reichen 2 bis 3 Stoßlüftungen täglich. Sind viele Personen im Raum oder stehen zahlreiche Zimmerpflanzen darin, lüften Sie häufiger. Bei Besuch – etwa einer Feier oder einem Kindergeburtstag – planen Sie nach 1 bis 2 Stunden eine Zwischenlüftung ein. Bedenken Sie auch, dass elektrische Geräte wie Computer und Fernseher als zusätzliche Wärmequellen den Lüftungsbedarf erhöhen.
Küche: Hier entsteht beim Kochen besonders viel Feuchtigkeit. Öffnen Sie nach intensivem Kochen sofort das Fenster weit – der Dunstabzug allein reicht oft nicht aus. Nutzen Sie beim Waschen und Kochen immer Topfdeckel und lassen Sie Wasser nicht unnötig lange kochen. Nach dem Kochen feuchte Oberflächen an Arbeitsplatte und Fliesenspiegel kurz abwischen – das reduziert die Feuchtelast im Raum spürbar.
Bad: Direkt nach dem Duschen oder Baden 5 bis 10 Minuten kräftig lüften. Wichtig: Halten Sie dabei die Badezimmertür geschlossen, damit die Feuchtigkeit nicht in Flur und Schlafzimmer wandert. Entfernen Sie Wasser von Fliesen, Duschkabine und Boden mit einem Abzieher oder Tuch. Bei innenliegenden Bädern ohne Fenster achten Sie auf ausreichende Nachlaufzeit der Lüftung – ein Hygrometer hilft bei der Kontrolle.
Keller: In Altbauten mit unbeheizten Kellern gilt: Nur lüften, wenn die Außenluft kälter und trockener ist als die Kellerluft. Das ist im Sommer meist nur nachts und frühmorgens der Fall. Im Hochsommer Kellerfenster tagsüber geschlossen halten. Kellertüren zum Treppenhaus sollten geschlossen bleiben, damit Feuchte nicht ins restliche Haus wandert.
Wenig genutzte Räume (Gästezimmer, Abstellräume): Auch Räume, die selten betreten werden, brauchen regelmäßig frische Luft – mindestens 1 bis 2 Mal täglich kurz lüften. Halten Sie Türen zu kühlen, wenig genutzten Räumen geschlossen, damit sich dort keine Feuchte aus wärmeren Bereichen niederschlägt.
Im Rahmen einer Vor-Ort-Begehung identifiziert Enwendo typische Problemräume wie Nordzimmer, innenliegende Bäder oder unbeheizte Flure und gibt Ihnen individuelle Empfehlungen für Ihr Gebäude.
Typische Fehler beim Lüften – und wie Sie sie vermeiden
Auch mit besten Absichten machen viele Hausbesitzer Fehler beim Lüften. Hier die häufigsten Probleme – und wie Sie es besser machen.
Fehler 1: Dauerhaft gekippte Fenster im Winter Gekippte Fenster sorgen für permanente Wärmeverluste, während der Luftaustausch minimal bleibt. Die Fensterlaibung kühlt aus und wird zur Schimmel-Quelle. → Besser: Mehrmals täglich Stoß- und Querlüften, Heizung während des Lüftens auf Frostschutz stellen.
Fehler 2: Türen zwischen warm und kalt offen lassen Wenn warme, feuchte Luft aus dem Wohnzimmer in ein kühles Schlafzimmer strömt, kondensiert sie an den kalten Wänden. → Besser: Türen zu deutlich kühleren Räumen geschlossen halten, Temperaturunterschiede auf maximal 4–5 Grad begrenzen.
Fehler 3: Wäsche in kleinen Räumen ohne Lüften trocknen Eine Ladung nasser Wäsche gibt 2 bis 4 Liter Wasser ab. In einem kleinen Raum ohne Lüftung steigt die Luftfeuchtigkeit dramatisch. → Besser: Wäsche möglichst draußen oder im gut gelüfteten Hauswirtschaftsraum trocknen. Bei Trocknung im Innenraum während und nach dem Trocknen mehrmals stoßlüften.
Fehler 4: Nur lüften, wenn Fenster beschlagen Kondenswasser am Fenster zeigt an, dass es bereits zu spät ist – die Luftfeuchte war zu hoch. → Besser: Präventiv und regelmäßig lüften, Hygrometer nutzen, Luftfeuchte nicht erst bis zur Kondensatbildung steigen lassen.
Fehler 5: Nach Sanierung genauso lüften wie vorher Neue Fenster und bessere Dämmung verringern den natürlichen Luftwechsel drastisch. Was im Altbau mit undichten Fenstern funktionierte, reicht im sanierten Haus nicht mehr. → Besser: Lüftungsgewohnheiten anpassen, häufiger und bewusster lüften.
Fehler 6: Nur Sommer- oder nur Winterregeln kennen Die optimale Lüftungsstrategie ändert sich mit der Jahreszeit grundlegend. → Besser: Im Winter kurz und häufig lüften, im Sommer lange Lüftungen zu kühlen Tageszeiten.
Bei Konflikten zwischen Mietern und Vermietern wegen Schimmelbefall kann die Dokumentation des Lüftungsverhaltens entscheidend sein. Eine Einschätzung durch einen Energieberater kann hier Klarheit schaffen.
Hygrometer, CO₂-Sensoren und Lüftungsanlagen sinnvoll nutzen
Einfache technische Hilfsmittel machen das richtige Lüften deutlich einfacher. Sie nehmen das Raten aus der Gleichung und geben Ihnen objektive Daten für bessere Entscheidungen.
Hygrometer – Ihr wichtigstes Werkzeug:
Ein einfaches digitales Thermo-Hygrometer kostet zwischen 10 und 30 Euro und zeigt Ihnen jederzeit Raumtemperatur und relative Luftfeuchtigkeit an. Der Zielbereich liegt bei 40 bis 60 Prozent relativer Feuchte; im Winter sollte der Wert möglichst nicht dauerhaft über 55 Prozent liegen.
Platzieren Sie Hygrometer in typischen Problemräumen: Schlafzimmer, Bad, kühle Raumecken oder Räume mit wenig Heizung. So erkennen Sie Handlungsbedarf, bevor Schimmel entsteht.
CO₂-Sensoren – für bessere Luftqualität:
Kohlendioxid (CO₂) ist ein guter Indikator für verbrauchte Luft. In Arbeits- und Kinderzimmern macht ein CO₂-Sensor besonders Sinn – hohe CO₂-Werte führen zu Müdigkeit und Konzentrationsproblemen.
Richtwerte für die Praxis:
- Unter 1000 ppm: gute Luftqualität
- 1000–1200 ppm: Lüften empfohlen
- Über 1200–1500 ppm: dringend lüften
Kontrollierte Wohnraumlüftung:
Eine Lüftungsanlage führt automatisch frische Außenluft zu und transportiert verbrauchte Innenraumluft ab. Moderne Systeme mit Wärmerückgewinnung nutzen die Wärme der Abluft, um die einströmende Frischluft vorzuwärmen – das spart erheblich Heizenergie.
Lüftungsanlagen sind seit etwa 2010 Standard in Neubauten und werden zunehmend auch in sanierten Bestandsbauten eingesetzt. Die Vorteile:
- Automatischer, gleichmäßiger Luftaustausch rund um die Uhr
- Konstante Luftfeuchte ohne manuelles Zutun
- Filterung von Pollen und Staub – wichtig für Allergiker
- Keine Lärmbelästigung durch offene Fenster
- Prognosen zeigen, dass KI-gesteuerte Lüftungssysteme bis 2030 den Energieverbrauch um bis zu 40 Prozent senken könnten
Eine Lüftungsanlage reduziert den Bedarf an manuellem Lüften erheblich, ersetzt es aber nicht vollständig. Bei Feuchtespitzen – etwa nach dem Duschen oder intensivem Kochen – kann zusätzliches Stoßlüften sinnvoll sein.
Schimmel ist in den meisten Fällen kein Baumangel, sondern ein Zusammenspiel aus Luftfeuchte, Temperatur und Lüftungsverhalten. Gerade nach einer Sanierung unterschätzen viele Eigentümer, wie stark sich das Raumklima verändert. Richtiges Lüften funktioniert nur im Zusammenspiel mit ausreichender Beheizung und einer zur Gebäudesubstanz passenden Strategie – pauschale Tipps reichen hier oft nicht aus.
Jan Wanderer
Energie-Experte bei Enwendo
Richtig lüften, richtig sanieren: Wie Enwendo Sie unterstützt
Falsches Lüften kostet Sie nicht nur Gesundheit und Wohlbefinden – es verursacht höhere Energiekosten und kann zu ernsthaften Bauschäden an Fassade, Dämmung und Fensterlaibungen führen. Schimmelpilze greifen Putz und Tapeten an, und aufwendige Sanierungen werden nötig.
Als unabhängige Energieberatung hilft Enwendo Eigentümern von Ein- und Mehrfamilienhäusern, Lüftung, Heizung, Dämmung und Fördermittel ganzheitlich zu betrachten. Denn nichts funktioniert isoliert: Eine neue Wärmedämmung verändert das Lüftungsverhalten, eine moderne Heizung beeinflusst das Raumklima, und beides zusammen bestimmt, ob Ihre Wohnräume gesund und energieeffizient bleiben.
Unsere Leistungen im Überblick:
- Vor-Ort-Energieberatung: Wir analysieren Ihr Gebäude und nehmen die Raumklimasituation auf – inklusive typischer Problemstellen und Lüftungsbedarf
- Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP): Lüftungskonzepte, Dämmung, Fenster und Heizung werden aufeinander abgestimmt
- Beratung zu Wohnraumlüftung: Wir helfen bei der Planung kontrollierter Lüftungsanlagen und bei der Nutzung staatlicher Zuschüsse wie der Bundesförderung für effiziente Gebäude
Haben Sie Fragen zum richtigen Lüften in Ihrem Haus? Planen Sie eine Sanierung und möchten sicherstellen, dass Dämmung, Fenster und Lüftung optimal zusammenspielen? Wir beraten Sie gerne – unverbindlich und kostenfrei.
Häufige Fragen zum Richtigen Lüften
In den meisten Haushalten sind 2–4 Stoßlüftungen pro Tag ausreichend. Entscheidend ist weniger die Uhrzeit als die Nutzung: Nach dem Aufstehen, nach dem Duschen, Kochen oder bei vielen Personen im Raum sollte zusätzlich gelüftet werden. In sehr dichten Gebäuden oder bei hoher Feuchtebelastung kann häufigeres Lüften notwendig sein.
Ja – vor allem im Winter. Auch bei Regen ist kalte Außenluft in der Regel deutlich trockener als warme Innenluft. Im Sommer oder bei schwülem Wetter sollten Sie hingegen vorsichtig sein: Ist die Außenluft wärmer und feuchter als die Innenluft, kann Lüften die Feuchteprobleme sogar verschärfen.
Kurzzeitiges Stoß- oder Querlüften schadet nicht. Problematisch wird Lüften erst dann, wenn Räume zu stark auskühlen oder Fenster dauerhaft gekippt bleiben. Das erhöht den Energieverbrauch und kann kalte Oberflächen begünstigen, an denen Feuchtigkeit kondensiert.
Ein Hygrometer ersetzt keine bauliche Sanierung, ist aber ein sehr wirksames Frühwarnsystem. Steigt die Luftfeuchte dauerhaft über 55–60 Prozent, sollten Sie Ihr Lüftungsverhalten anpassen. Besonders in Schlafzimmern, Bädern und kühlen Räumen hilft das Gerät, Probleme frühzeitig zu erkennen.
Eine kontrollierte Wohnraumlüftung ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Gebäude sehr luftdicht saniert wurde oder häufig Feuchteprobleme auftreten. Sie sorgt für kontinuierlichen Luftaustausch und stabilere Luftfeuchte. Ob eine Anlage notwendig oder wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt immer vom Gebäude und der Nutzung ab – eine individuelle Energieberatung schafft hier Klarheit.