Die Frage, ob sich eine Fassadendämmung lohnt, beschäftigt viele Hausbesitzer – besonders angesichts steigender Energiekosten und verschärfter gesetzlicher Vorgaben. Die Antwort ist selten pauschal, denn sie hängt vom Baujahr, dem Zustand der Fassade, dem gewählten Dämmsystem und der verfügbaren Förderung ab.
Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick: Sie erfahren, wann sich die Dämmung der Fassade wirtschaftlich rechnet, welche Methoden und Materialien zur Wahl stehen, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen – und wie Sie durch staatliche Fördermittel die Amortisation deutlich verkürzen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Fassadendämmung lohnt sich besonders bei unsanierten Altbauten, vor allem bei Häusern, die vor 1978 gebaut wurden.
- Über ungedämmte Außenwände gehen oft 25–35 % der Heizenergie verloren.
- Durch eine Fassadendämmung lassen sich ca. 15–25 % Heizkosten einsparen – je nach Ausgangszustand des Gebäudes.
- Die Kosten liegen meist zwischen 15.000 und 40.000 Euro für ein Einfamilienhaus, Kerndämmung ist deutlich günstiger.
- Ohne Förderung beträgt die Amortisationszeit oft 15–30 Jahre, mit Förderung entsprechend kürzer.
- GEG-Vorgabe: Wird mehr als 10 % der Fassadenfläche saniert, muss ein U-Wert von maximal 0,24 W/(m²K)eingehalten werden.
- Über die BAFA-Förderung sind aktuell 15 % Zuschuss, mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) bis zu 20 % möglich.
- Besonders wirtschaftlich wird die Dämmung, wenn sie mit ohnehin nötigen Fassadenarbeiten kombiniert wird.
So gehen Sie vor
- Gebäude analysieren: Prüfen Sie Baujahr, Zustand der Fassade, bisherigen Energieverbrauch und anstehende Sanierungsarbeiten.
- Dämmpflicht klären: Wenn mehr als 10 % der Fassade erneuert werden, müssen die GEG-Anforderungen eingehalten werden.
- Dämmvariante auswählen: Außendämmung (WDVS oder VHF), Kerndämmung oder – nur wenn nötig – Innendämmung, passend zur Bausubstanz.
- Förderung sichern: Vor Beginn der Maßnahme einen Energieeffizienz-Experten einbinden und Förderantrag rechtzeitig stellen.
- Angebote vergleichen: Mehrere qualifizierte Fachbetriebe anfragen und Leistungen sowie Details (Anschlüsse, Sockel, Fenster) vergleichen.
- Umsetzung begleiten: Auf saubere Ausführung der kritischen Details achten und die Maßnahme dokumentieren lassen.
- Langfristig profitieren: Nach der Dämmung Lüftungsverhalten anpassen und die Fassade regelmässig kontrollieren.
Kurze Antwort: Wann lohnt sich Fassadendämmung wirklich?
Die kurze Antwort vorweg: Fassadendämmung lohnt sich vor allem bei unsanierten Häusern, die vor 1995 – und besonders vor 1978 – gebaut wurden. Bei diesen Gebäuden sind die Außenwände oft der größte Schwachpunkt der Gebäudehülle.
Typische Einsparungen und Investitionen:
- Bei einem Einfamilienhaus mit 120–140 m² Wohnfläche können Sie durch Fassadendämmung etwa 15–25 % der Heizenergie einsparen
- Das entspricht bei aktuellen Gaspreisen (Stand 2025) einer jährlichen Ersparnis von ca. 500–800 €
- Die Investition liegt je nach System zwischen 15.000 und 40.000 € für ein typisches Einfamilienhaus
- Die Amortisationszeit beträgt ohne Förderung ca. 15–25 Jahre, je nach Energiepreis und Ausgangszustand
Besonders wirtschaftlich wird die Maßnahme, wenn:
- Die Fassade ohnehin erneuert werden muss (Putzschäden, Risse, Feuchteschäden)
- Ein Gerüst bereits für andere Arbeiten wie Dachsanierung oder Fenstertausch steht
- Sie staatliche Förderprogramme nutzen (aktuell mindestens 15 %, mit iSFP sogar 20 %)
- Ihr Haus hohe Heizkosten hat (über 2.000–3.000 € jährlich)
Gesetzlicher Rahmen: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt bei Sanierung von mehr als 10 % der Fassadenfläche einen U-Wert von maximal 0,24 W/(m²K) vor. Wer Förderung beantragt, muss oft sogar 0,20 W/(m²K) erreichen.
Was ist eine Fassadendämmung genau?
Fassadendämmung bezeichnet die Wärmedämmung aller Außenwände eines Gebäudes – nicht nur der straßenseitigen Fassade. Sie bildet einen wesentlichen Teil der energetischen Sanierung und reduziert den Wärmeverlust über die Gebäudehülle erheblich.
Grundlegende Fakten zur Fassadendämmung:
- Bei Altbauten gehen oft 25–35 % der gesamten Wärme über ungedämmte Außenwände verloren
- Vor der ersten Wärmeschutzverordnung (1977/1978) wurden die meisten Häuser ohne nennenswerte Dämmung gebaut
- Typisches Mauerwerk aus 24–30 cm Vollziegel oder Beton hat einen U-Wert von über 1,0 W/(m²K)
- Nach fachgerechter Dämmung erreichen Wände Werte von ca. 0,20–0,24 W/(m²K)
Die wichtigsten Dämmmethoden im Überblick:
- Außendämmung (WDVS, vorgehängte hinterlüftete Fassade, Isolierklinker)
- Kerndämmung bei zweischaligem Mauerwerk
- Innendämmung als Alternative bei Denkmalschutz oder baulichen Einschränkungen
Ziele der Fassadendämmung:
- Geringere Heizkosten durch reduzierten Wärmeverlust
- Besserer Hitzeschutz im Sommer
- Höherer Wohnkomfort durch wärmere Wandoberflächen
- Schimmelschutz durch Vermeidung von kalten Stellen an den Innenwänden
- Verbesserter Schallschutz
Moderne Dämmsysteme haben bei fachgerechter Ausführung und regelmäßiger Wartung eine Lebensdauer von ca. 40–60 Jahren.
Wann lohnt sich eine Fassadendämmung wirtschaftlich?
Die Wirtschaftlichkeit einer Fassadendämmung hängt von mehreren Faktoren ab: Baujahr und Zustand des Gebäudes, aktuelle Energiekosten, Art der Heizung und Dämmstandard anderer Bauteile.
Kriterium Baujahr:
- Unsanierte Häuser vor 1978: Fassadendämmung in der Regel klar wirtschaftlich
- Baujahr 1978–1995: Meist sinnvoll, aber genauer prüfen
- Nach 1995: Einzelfallentscheidung, eher bei konkretem Sanierungsanlass
Ausgangs-Heizkosten als Maßstab:
- Bei jährlichen Heizkosten über 2.000–3.000 € rechnet sich Fassadendämmung deutlich schneller
- Je höher der aktuelle Energieverbrauch, desto größer das Einsparpotenzial
Synergie mit anderen Maßnahmen:
- Kombination mit ohnehin fälligen Arbeiten (Putzsanierung, Gerüst für Dach oder Fenster) reduziert die Mehrkosten für Dämmung erheblich
- Bei gleichzeitigem Heizungstausch (z.B. Wärmepumpe) wird die neue Anlage durch gute Dämmung effizienter
Rechenbeispiel Amortisation:
- EFH mit 130 m² Fassadenfläche
- WDVS-Kosten ca. 120 €/m² → Gesamtinvestition ca. 15.600 €
- Jährliche Einsparung ca. 600 €
- Amortisation ohne Förderung: ca. 26 Jahre
- Mit 20 % Förderung (12.480 € Eigenanteil): ca. 21 Jahre
Steigende Energiepreise verkürzen die Amortisationszeit zusätzlich. Für eine individuelle Bewertung empfiehlt sich die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) durch zertifizierte Energieeffizienz-Experten.
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Gesetzliche Vorgaben: Dämmpflicht & U-Wert nach GEG
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelt die energetischen Mindestanforderungen an Außenwände und definiert damit auch eine faktische Dämmpflicht bei größeren Fassadenarbeiten.
Die wichtigsten Vorgaben (Stand GEG 2024/2025):
- Bei Sanierung von mehr als 10 % der Fassadenfläche muss der U-Wert ≤ 0,24 W/(m²K) erreicht werden
- Diese Anforderung gilt z.B. bei komplettem Putzaustausch oder umfassender Fassadenerneuerung
- Für Neubauten: Das Gesamtgebäude muss die Effizienzstandards nach GEG einhalten – Fassadendämmung ist praktisch immer erforderlich
Ausnahmen von der Dämmpflicht:
- Bestimmte Baudenkmäler, bei denen die Maßnahme das Erscheinungsbild wesentlich beeinträchtigt
- Wirtschaftliche Unzumutbarkeit nach dokumentiertem Einzelnachweis
- Gebäude mit weniger als 50 m² Nutzfläche
Förderung erfordert oft strengere Standards:
- Für Förderprogramme wird häufig ein U-Wert von 0,20 W/(m²K) oder besser verlangt
- Die erforderliche Dämmstoffdicke variiert je nach Wandmaterial (Beton benötigt dickere Dämmung als Ziegel)
Eine Planung durch qualifizierte Energieberater oder Architekten ist unerlässlich, um sowohl GEG-Vorgaben als auch Förderanforderungen sicher zu erfüllen.
Arten der Fassadendämmung und typische Kosten
Die Wahl der Dämmmethode hängt vom vorhandenen Mauerwerk, dem gewünschten Erscheinungsbild, dem verfügbaren Budget und eventuellen Denkmalschutzauflagen ab. Jedes Dämmverfahren hat spezifische Vorteile und Nachteile.
Die folgenden Kostenangaben sind grobe Richtwerte pro Quadratmeter (netto) und beziehen sich auf ein typisches Einfamilienhaus mit ca. 120–140 m² Fassadenfläche.
Wärmedämmverbundsystem (WDVS)
Das Wärmedämmverbundsystem ist die am häufigsten eingesetzte Außendämmung. Dabei werden Dämmplatten aus EPS, Mineralwolle oder Holzfaser direkt auf die Außenwand geklebt und gedübelt. Darauf folgen eine Armierungsschicht mit Gewebe sowie Putz und Farbe als Oberflächenabschluss.
Typische Kosten: ca. 100–200 € pro Quadratmeter Fassade (inkl. Gerüst, Putz, Farbe). Bei 130 m² Fassadenfläche ergibt das ca. 13.000–26.000 €.
Vorteile: Gute Dämmwirkung, relativ günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, große Gestaltungsfreiheit bei Putzoberflächen und Farben.
Nachteile: Gerüstkosten, Eingriff in die Fassadenoptik, sorgfältige Detailausbildung bei Anschlüssen an Fenster, Balkone und Dach erforderlich.
Eignung: Standardlösung für viele Massivhäuser aus den Baujahren 1950–1990 mit bestehender Putzfassade.
Kerndämmung / Einblasdämmung im zweischaligen Mauerwerk
Bei zweischaligem Mauerwerk – typisch für Klinkerfassaden aus den 1960er bis 1990er Jahren – kann der Hohlraum zwischen den Mauerschalen mit Dämmstoff im Rahmen einer Kerndämmung gefüllt werden. Zum Einsatz kommen Mineralwolle-Flocken, EPS-Granulat oder Zellulose.
Typische Kosten: meist 20–80 € pro Quadratmeter Fassadenfläche. Bei 150 m² Fläche ergibt das ca. 3.000–12.000 €.
Vorteile: Sehr geringe Kosten, kein Fassadengerüst nötig, schnelle Ausführung (oft in 1–2 Tagen), keine sichtbare Veränderung der Fassade.
Nachteile: Nur möglich bei ausreichendem Hohlraum (mindestens 4 cm). Die Dämmwirkung ist begrenzt im Vergleich zu einer dicken Außendämmung.
Wichtig: Eine bauphysikalische Prüfung des Feuchtigkeitsverhaltens ist vor der Verarbeitung zwingend erforderlich.
Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)
Bei der vorgehängten hinterlüfteten Fassade wird eine Tragkonstruktion aus Holz oder Aluminium an der Wand befestigt. Dazwischen liegt die Dämmung, davor eine Luftschicht und schließlich die Fassadenbekleidung (z.B. Faserzementplatten, Metall, Holz).
Typische Kosten: meist 150–300 € pro Quadratmeter. Bei 130 m² Fassadenfläche ergibt das ca. 19.500–39.000 €.
Vorteile: Sehr langlebig, exzellenter Feuchteschutz durch Hinterlüftung, große gestalterische Freiheit, technisch hochwertig.
Nachteile: Höchste Investitionskosten unter den Dämmmethoden, konstruktiv aufwendiger.
Eignung: Besonders bei erhöhten Anforderungen an Dauerhaftigkeit, Schallschutz oder spezieller Optik sinnvoll. Häufig bei hochwertigen Sanierungen und Neubauten.
Isolierklinker / Verblendmauerwerk mit Dämmung
Bei dieser Option werden Dämmplatten mit aufgeklebten Klinkerriemchen montiert, oder es wird hinter einem neuen Verblendmauerwerk eine Dämmschicht eingebracht.
Typische Kosten: Isolierklinker häufig ca. 150–250 € pro Quadratmeter, klassisches neues Verblendmauerwerk teils noch höher.
Vorteile: Sehr robuste, pflegearme Oberfläche mit klassischer Klinkeroptik. Kombiniert Dämmung und neue Fassade in einem System.
Nachteile: Relativ hohe Kosten, zusätzliche Wandstärke, sorgfältige Planung bei Fensterbänken und Dachüberstand nötig.
Eignung: Für Hauseigentümer, die dauerhaft eine Klinkeroptik wünschen oder bestehende Klinkerfassaden ertüchtigen wollen.
Innendämmung der Außenwände
Innendämmung wird meist nur gewählt, wenn eine Außendämmung nicht möglich ist – etwa bei Denkmalschutz, sehr enger Bebauung, erhaltenswerten Sichtfassaden oder Fachwerk. Typische Systeme sind Kalziumsilikatplatten, Holzfaserplatten oder Mineraldämmplatten.
Typische Kosten: ca. 50–150 € pro Quadratmeter Innenwandfläche.
Vorteile: Keine Veränderung der Außenansicht, kein Gerüst erforderlich, auch abschnittsweise und im bewohnten Zustand machbar.
Nachteile: Risiko von Feuchteschäden und Wärmebrücken bei falscher Planung, Wohnraumverlust von ca. 6–10 cm pro Wand, aufwendige Detailplanung an Fensterlaibungen.
Wichtig: Eine bauphysikalische Planung durch erfahrene Handwerker und Fachplaner ist bei Innendämmung besonders wichtig.
Dämmstoffe: Welche Materialien lohnen sich wofür?
Die Wahl des richtigen Dämmmaterials beeinflusst Kosten, Dämmwirkung und Nachhaltigkeit erheblich. Entscheidend ist die Wärmeleitfähigkeit (λ-Wert): Je niedriger dieser Wert, desto besser dämmt das Material bei gleicher Dicke.
Synthetische Dämmstoffe (z.B. EPS, XPS, PU)
EPS (expandiertes Polystyrol) ist der am häufigsten verwendete Dämmstoff für WDVS-Systeme. Es bietet sehr gute Dämmwerte bei günstigem Preis und lässt sich leicht verarbeiten.
XPS (extrudiertes Polystyrol) ist druckstabiler und wird häufig im Sockelbereich oder für die Perimeterdämmung eingesetzt.
Polyurethan (PU/PIR) erreicht noch bessere Dämmwerte bei geringerer Dicke, ist aber teurer und in der Entsorgung aufwendiger.
Vorteile: Niedrige Kosten, gute Dämmwirkung, breite Verfügbarkeit, einfache Verarbeitung.
Nachteile: Fossile Rohstoffe, Brandverhalten (Brandschutzklasse meist B), eingeschränkte Recyclingfähigkeit.
Mineralische Dämmstoffe (z.B. Steinwolle, Glaswolle)
Steinwolle und Glaswolle sind nicht brennbar (Brandklasse A1/A2) und daher besonders beliebt bei WDVS und VHF mit hohen Brandschutzanforderungen – etwa bei Mehrfamilienhäusern oder in der Nähe von Nachbargebäuden.
Einsatzbereiche: WDVS mit Mineralwolle-Dämmplatten, Kerndämmung mit Flocken, Zwischensparrendämmung bei VHF.
Vorteile: Hervorragender Brandschutz, guter Schallschutz, feuchteunempfindlich.
Nachteile: Etwas höhere Kosten als EPS, höheres Gewicht.
Natürliche Dämmstoffe (z.B. Holzfaser, Zellulose, Hanf)
Holzfaserplatten eignen sich für WDVS, VHF und Innendämmung. Zellulose wird vor allem für Einblasdämmung verwendet. Hanf und Flachs kommen in speziellen Systemen zum Einsatz.
Vorteile: Nachwachsende Rohstoffe, oft bessere Ökobilanz, diffusionsoffen und teils kapillaraktiv für gutes Feuchtemanagement, guter sommerlicher Wärmeschutz.
Nachteile: Teils höhere Materialkosten, strengere Vorgaben bei der Verarbeitung, nicht überall verfügbar.
Eignung: Besonders für Bauherren mit Fokus auf Nachhaltigkeit und wohngesunder Bauweise.
Was kostet Fassadendämmung insgesamt – und wann hat sie sich amortisiert?
Die Gesamtkosten für eine Fassadendämmung setzen sich aus Material, Arbeitslohn, Gerüst und Nebenarbeiten zusammen. Mehr als die Hälfte der Ausgaben bei WDVS oder VHF entfallen oft auf Gerüst, Putz, Anschlüsse und Detailarbeiten – nicht nur auf den Dämmstoff selbst.
Typische Kostenbereiche für ein Einfamilienhaus (Baujahr 1960–1980, ca. 120–140 m² Fassadenfläche):
- WDVS: ca. 15.000–30.000 €
- Vorgehängte hinterlüftete Fassade: ca. 20.000–40.000 €
- Isolierklinker: ca. 20.000–35.000 €
- Kerndämmung: ca. 3.000–12.000 €
Amortisationsbeispiel Altbau:
- Ausgangslage: Unsaniertes EFH, Heizkosten 3.000 € pro Jahr (Gas, Stand 2024/2025)
- Einsparung durch Fassadendämmung: ca. 20 % → 600 € pro Jahr
- Investition WDVS: 22.000 € brutto, mit 20 % Zuschuss → 17.600 € Eigenanteil
- Ergebnis: Amortisation in ca. 29 Jahren (ohne Energiepreissteigerung)
Die reale Amortisation fällt oft kürzer aus, da Energiepreise tendenziell steigen. Fassadendämmung ist eine langfristige Investition mit einer Lebensdauer von 30–50 Jahren.
Kerndämmung rechnet sich schneller: Aufgrund der sehr niedrigen Kosten amortisiert sich diese Methode oft bereits in unter 10–15 Jahren.
Förderung 2024/2025: So verbessert sich die Wirtschaftlichkeit
Die Förderlandschaft für energetische Sanierung ändert sich regelmäßig. Die folgenden Angaben beziehen sich auf den Stand 2024/2025 – eine aktuelle Prüfung vor Antragstellung ist empfehlenswert.
BAFA-Förderung (BEG-Einzelmaßnahmen):
- Basisförderung: 15 % der förderfähigen Kosten für Fassadendämmung als Einzelmaßnahme
- Zusätzlicher iSFP-Bonus: 5 % bei Vorliegen eines individuellen Sanierungsfahrplans
- Maximale Fördersumme: Insgesamt bis zu 20 % Zuschuss möglich
Förderfähige Kostenobergrenzen:
- Ohne iSFP: ca. 30.000 € pro Wohneinheit
- Mit iSFP: bis zu 60.000 € pro Wohneinheit (aktuelle Regelung prüfen)
KfW-Kredite für umfassende Sanierungen:
- Zinsgünstige Kredite für Effizienzhaus-Standards
- Tilgungszuschüsse von bis zu 25–45 % je nach erreichtem Standard
- Besonders attraktiv bei Komplettsanierung zum Effizienzhaus
Wichtige Voraussetzungen:
- Antrag immer vor Beginn der Maßnahme stellen
- Einbindung eines zertifizierten Energieeffizienz-Experten ist Pflicht
- Einhaltung der technischen Mindestanforderungen (z.B. U-Wert ≤ 0,20 W/m²K)
Auswirkung auf die Amortisation: Ein Zuschuss von 20 % verkürzt die Amortisationszeit um etwa ein Fünftel. Bei unserem Beispiel (17.600 € statt 22.000 € Eigenanteil) reduziert sich die Payback-Zeit von 37 auf ca. 29 Jahre.
Weitere Vorteile und mögliche Nachteile der Fassadendämmung
Eine ausgewogene Betrachtung der Fassadendämmung umfasst sowohl wirtschaftliche als auch wohnklimatische Aspekte.
Vorteile:
- Deutlich geringere Heizkosten und größere Unabhängigkeit von Energiepreissteigerungen
- Höherer Wohnkomfort durch wärmere Innenoberflächen und kein Zuggefühl an Außenwänden
- Besserer sommerlicher Hitzeschutz, besonders mit schweren Dämmstoffen wie Holzfaser oder Mineralwolle
- Weniger Schimmelrisiko an Außenwänden durch höhere Oberflächentemperaturen im Inneren
- Werterhalt bzw. Wertsteigerung der Immobilie und besserer Energieausweis
- Beitrag zum Klimaschutz durch dauerhaft geringere CO₂-Emissionen
- Verbesserter Schallschutz durch dickere Wandkonstruktion
Nachteile und Risiken:
- Hohe Anfangsinvestition, besonders bei VHF und Isolierklinkern
- Amortisationszeiten im Bereich von 15–30 Jahren je nach Ausgangszustand und Energiepreis
- Planungs- und Ausführungsfehler können zu Feuchte- oder Schimmelproblemen führen
- Veränderung der Fassadenoptik, eventuell Abstimmung mit Nachbarn oder Behörden bei Grenzbebauung nötig
- Bei Denkmalschutz sind die Möglichkeiten eingeschränkt
Hinweis zu Dämmungs-Mythen
Fachgerechte Planung und Ausführung entkräften fast alle üblichen Bedenken wie „Die Fassade kann nicht mehr atmen” oder „Dämmung führt zu Schimmel”. Das Gegenteil ist der Fall: Gedämmte Wände bleiben innen wärmer und reduzieren das Kondensationsrisiko.
Worauf vor und nach der Fassadendämmung zu achten ist
Eine erfolgreiche Fassadendämmung erfordert sorgfältige Planung, fachgerechte Ausführung und angemessene Pflege. Die folgenden Empfehlungen helfen Ihnen, typische Fehler zu vermeiden.
Vor der Dämmung:
- Zustandsanalyse des Gebäudes durchführen: Putz, Feuchtigkeit, Risse, bestehende Wärmebrücken prüfen
- Gesamtenergetisches Konzept erstellen: Dämmung von Dach oder oberster Geschossdecke, Fenstertausch und Heizung in sinnvoller Reihenfolge planen
- Dämmpflicht nach GEG prüfen, wenn Fassadenarbeiten an mehr als 10 % der Fläche geplant sind
- Qualifizierte Fachbetriebe mit Referenzen und Erfahrung in WDVS oder VHF auswählen
- Energieberater für Förderanträge und Wirtschaftlichkeitsberechnung einbinden
- Angebote von mehreren Handwerkern einholen und vergleichen
Während und nach der Dämmung:
- Kritische Details kontrollieren lassen: Fensteranschlüsse, Rollladenkästen, Balkonanschlüsse, Sockelbereich
- Dokumentation der verwendeten Materialien und Schichtaufbauten sichern
- Regelmäßige Sichtkontrolle der Fassade durchführen: Putzrisse, Algenbewuchs, Fugen
- Lüftungsverhalten anpassen, besonders bei gleichzeitiger Fenstererneuerung
- Gelegentliche Instandhaltung einplanen, um die Lebensdauer von 40–60 Jahren zu erreichen
Fazit: Lohnt sich Fassadendämmung für Ihr Haus?
Fassadendämmung lohnt sich besonders bei unsanierten Altbauten, die vor 1978 oder 1984 errichtet wurden, sowie bei Gebäuden mit hohen Heizkosten oder anstehender Fassadensanierung. Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich deutlich, wenn Sie die Dämmung mit ohnehin fälligen Arbeiten kombinieren und verfügbare Fördermittel nutzen.
Für eine fundierte Entscheidung empfiehlt es sich, konkrete Angebote von mehreren Fachbetrieben einzuholen und diese gemeinsam mit einem Energieeffizienz-Experten zu bewerten. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) liefert nicht nur eine verlässliche Wirtschaftlichkeitsberechnung, sondern erhöht auch Ihre Förderquote.
Betrachten Sie die Investition nicht nur unter dem Aspekt der Amortisation: Ein behagliches Zuhause mit stabilen Raumtemperaturen, weniger Zugluft und dauerhaft niedrigeren Energiekosten steigert Ihre Lebensqualität – und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Viele Eigentümer schauen bei der Fassadendämmung zuerst auf die Amortisationszeit. Mindestens genauso wichtig ist aber der richtige Zeitpunkt. Wenn die Fassade ohnehin saniert werden muss, sinken die Mehrkosten für die Dämmung deutlich – und genau dann wird sie wirtschaftlich wirklich sinnvoll. Wer frühzeitig plant und Förderung nutzt, spart langfristig nicht nur Energie, sondern auch Investitionskosten.
Jan Wanderer
Energie-Experte bei Enwendo
Häufige Fragen zum Nutzen einer Fassadendämmung
Nein. Eine generelle Pflicht zur Fassadendämmung gibt es nicht.
Eine Dämmpflicht greift nur, wenn mehr als 10 % der Fassadenfläche erneuert oder verändert werden (z. B. neuer Putz). Dann müssen die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) eingehalten werden. Ohne Sanierungsanlass dürfen Sie Ihre bestehende Fassade weiter nutzen.
Nein – bei fachgerechter Planung und Ausführung reduziert Fassadendämmung das Schimmelrisiko sogar. Gedämmte Außenwände bleiben innen wärmer, wodurch sich weniger Kondenswasser bildet. Schimmel entsteht meist durch Planungsfehler, Wärmebrücken oder falsches Lüftungsverhalten, nicht durch die Dämmung selbst.
Das hängt vom Gebäude ab:
– WDVS eignet sich für viele verputzte Massivhäuser.
– Kerndämmung ist ideal bei zweischaligem Mauerwerk mit Hohlraum.
– VHF bietet hohe Dauerhaftigkeit und Gestaltungsfreiheit.
– Isolierklinker sind robust und pflegearm.
– Innendämmung ist eine Lösung bei Denkmalschutz oder eingeschränkten Außenflächen.
Ein Energieeffizienz-Experte hilft, die technisch und wirtschaftlich beste Lösung zu finden.
Ja, in der Regel positiv. Eine gedämmte Fassade senkt die laufenden Energiekosten, verbessert den Energieausweis und erhöht den Wohnkomfort. Das kann sich wertsteigernd oder zumindest werterhaltend auf die Immobilie auswirken – besonders bei älteren Gebäuden.
Ja, das ist sogar empfehlenswert. Besonders sinnvoll ist die Kombination mit Putzsanierung, Fenstertausch, Dach- oder Kellerdeckendämmung. Dadurch sinken die Mehrkosten für die Dämmung, und Sie können die Sanierung energetisch sinnvoll staffeln – oft mit höherer Förderung, z. B. über einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP).