Wer ein Effizienzhaus nach KfW-Standard plant oder eine energetische Sanierung mit Fördermitteln umsetzen möchte, kommt am Blower Door Test nicht vorbei. Für viele Effizienzhaus-Standards ist eine luftdichte Gebäudehülle zwingende Voraussetzung – etwa KfW-Effizienzhaus 70, 55 oder 40.
Der Blower Door Test ist ein wichtiger Bestandteil der Nachweisführung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – insbesondere bei Effizienzhaus-Sanierungen, die über die KfW abgewickelt werden. Die Messergebnisse dokumentieren, ob die Gebäudehülle tatsächlich so dicht ist, wie es die energetische Bilanzierung vorsieht. Für Bauherren bedeutet das: Fehlende oder nicht anerkannte Nachweise zur Luftdichtheit können die Auszahlung der Fördermittel verzögern oder im Einzelfall gefährden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Anforderungen an die Luftdichtheit werden über das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die technischen Mindestanforderungen der KfW definiert – festgehalten etwa im Merkblatt „Energieeffizient Bauen”.
- Die Messergebnisse müssen in die Dokumentation des betreuenden Energieeffizienz-Experten einfließen, der die Bestätigung nach Durchführung für die KfW erstellt.
- Die Messergebnisse – insbesondere der n50 Wert und der vollständige Prüfbericht – sind Bestandteil der Unterlagen für die KfW-Schlussbestätigung.
- Fehlende oder fehlerhafte Dokumentation kann die Auszahlung von Fördermitteln verzögern oder sogar gefährden.
- Bereits in der Planungsphase sollte der Testzeitpunkt mit dem Bauablauf abgestimmt werden, damit Nachbesserungen noch möglich sind.
So gehen Sie vor:
- Sanierungskonzept festlegen
Klären Sie gemeinsam mit einem Energieeffizienz-Experten, welche Effizienzhaus-Stufe nach Sanierung erreicht werden soll und welche Anforderungen an die Luftdichtheit daraus folgen. - Blower Door Test frühzeitig einplanen
Legen Sie den Testtermin bereits in der Planungsphase fest. Der ideale Zeitpunkt liegt nach Fertigstellung der luftdichten Ebene, aber bevor Innenverkleidungen und Endausbau abgeschlossen sind. - Qualifizierten Messdienstleister beauftragen
Achten Sie darauf, dass die Messung normkonform nach DIN EN ISO 9972 durchgeführt wird und ein vollständiger, prüffähiger Bericht erstellt wird. - Test unter realistischen Bedingungen durchführen
Stellen Sie sicher, dass alle geplanten Durchdringungen (Elektro, Lüftung, Sanitär) ausgeführt und abgedichtet sind, damit das Messergebnis die spätere Nutzung realistisch abbildet. - Leckagen gezielt nachbessern
Nutzen Sie den Test zur Qualitätssicherung: Erkannte Undichtigkeiten sollten vor dem Endausbau beseitigt werden, um spätere Probleme und Wiederholungsmessungen zu vermeiden. - Prüfbericht vollständig dokumentieren
Übergeben Sie den vollständigen Messbericht inklusive n50-Wert an die betreuende Energieeffizienz-Expertin oder den -Experten für die Bestätigung nach Durchführung (BnD). - Förderunterlagen fristgerecht einreichen
Reichen Sie alle erforderlichen Nachweise über die Energieeffizienz-Expertin oder den -Experten bei der KfW ein, damit die Auszahlung der Fördermittel ohne Verzögerung erfolgen kann.
Was ist ein Blower Door Test?
Der Blower Door Test ist ein Differenzdruck-Messverfahren zur präzisen Bestimmung der Luftdichtheit der Gebäudehülle. Im Kontext der KfW-Förderprogramme – etwa BEG WG für Wohngebäude oder BEG NWG für Nichtwohngebäude – dient er als verbindlicher Nachweis, dass die geplante Energieeffizienz tatsächlich erreicht wird.
- Bei der Blower Door Messung wird ein kalibrierter Ventilator luftdicht in eine Außentür eingebaut. Dieses Gerät erzeugt einen kontrollierten Differenzdruck von typischerweise 50 Pascal zwischen Innen und Außen.
- Der dabei gemessene Luftvolumenstrom zeigt, wie viel Luft durch Undichtigkeiten in der Gebäudehülle strömt. Je weniger Luft entweicht, desto besser die Dichtheit.
- Der zentrale Kennwert ist der n50 Wert – die Luftwechselrate bei 50 Pa Druckdifferenz. Dieser Wert fließt direkt in die energetische Bilanzierung ein, die für jeden KfW-Antrag erforderlich ist.
- Luftundichtigkeiten verursachen erhebliche Heizwärmeverluste. Undichtigkeiten in der Gebäudehülle führen zu zusätzlichen Lüftungswärmeverlusten, die den Heizenergiebedarf spürbar erhöhen und die angestrebte Effizienzhaus-Stufe gefährden können.
- Der Test wird sowohl bei Neubauten als auch bei umfassend sanierten Bestandsgebäuden mit KfW-Förderung eingesetzt – die Durchführung erfolgt nach DIN EN ISO 9972:2018-12 (früher DIN EN 13829 2001) und den entsprechenden Anlagen zum GEG.
- Die Norm DIN EN 13829 wurde durch die aktualisierte ISO-Norm abgelöst, beide Bezüge finden sich jedoch noch in älteren Dokumenten und Förderbescheiden.
Vorteile des Blower Door Tests für KfW‑geförderte Projekte
Die Luftdichtheitsprüfung ist weit mehr als eine bürokratische Pflicht – sie bietet handfeste wirtschaftliche Vorteile für jedes KfW-geförderte Bauvorhaben. Wer die Messung als Qualitätssicherung versteht, schützt seine Investition und die Förderzusage gleichermaßen.
- Zielerreichung absichern: Der Test stellt sicher, dass die energetischen Kennwerte für KfW-Effizienzhausklassen (z.B. EH 40, EH 55) tatsächlich erreicht werden. Ohne diesen Nachweis bleibt die Berechnung im Förderantrag Theorie.
- Heizkosten dauerhaft senken: Eine dichte Gebäudehülle reduziert die Heizkosten und CO₂-Emissionen – beides notwendig zur Einhaltung der KfW-Anforderungen an den Primärenergiebedarf.
- Fördermittel sichern: Das Risiko sinkt erheblich, dass Fördermittel nachträglich gekürzt oder zurückgefordert werden, weil die bauliche Ausführung vom genehmigten Energiekonzept abweicht.
- Wohnkomfort steigern: Keine Zugluft, weniger Lärm von außen und gleichmäßige Raumtemperaturen – der KfW-Qualitätsstandard wird im Alltag spürbar.
- Bauschäden vorbeugen: Unkontrollierte Fugen und Ritzen können zu Feuchteschäden und Schimmel an Wärmebrücken führen. Bei geförderten Sanierungen werden solche Mängel besonders kritisch bewertet.
- Dokumentation vereinfachen: Ein bestandener Luftdichtheitstest liefert einen klaren Prüfbericht mit eindeutigem n50 Wert – damit wird die KfW-Schlussabrechnung zur Formsache.
- Lüftungskonzept optimieren: Die Messergebnisse ermöglichen die optimale Auslegung einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, wie sie in vielen Effizienzhaus-Konzepten vorgesehen ist.
Tipp
Führen Sie bei größeren Sanierungen zwei Blower Door Tests durch:
- einen orientierenden Test während der Bauphase (nach Herstellung der luftdichten Ebene) und
- einen abschließenden Test für die Dokumentation. So lassen sich Undichtigkeiten früh erkennen und kostengünstig beheben – statt teure Nacharbeiten kurz vor der Schlussbestätigung durchführen zu müssen.
Warum das wichtig ist: Viele Leckagen entstehen an Übergängen (Fensteranschlüsse, Deckenanschlüsse, Durchdringungen) und sind nach dem Innenausbau kaum noch zugänglich.
Wann ist der Blower Door Test sinnvoll oder vorgeschrieben?
Der rechtliche Rahmen für die Luftdichtheitsmessung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Gebäudeenergiegesetz (seit 01.11.2020), der DIN EN ISO 9972 und den KfW-Förderbedingungen im Rahmen der BEG seit 2021. Nicht immer ist der Door Test formal vorgeschrieben – aber fast immer entscheidend für den Fördererfolg.
Für Neubauten mit KfW-Förderung:
- Beim Blower Door Test handelt es sich faktisch um den Standard, wenn ein Effizienzhaus-Standard (z.B. EH 40, EH 55) beantragt wird. Die KfW erwartet nachgewiesene Blower Door Testwerte als Teil der Schlussbestätigung.
- Ohne Luftdichtheitsnachweis müssten in der energetischen Berechnung ungünstigere pauschale Lüftungswärmeverluste angesetzt werden. Die KfW-Vorgaben für ein Effizienzhaus sind dann kaum zu erreichen.
- Neubauten mit dem Ziel Passivhaus-Niveau streben oft n50 Werte unter 0,6 h⁻¹ an – das deutsche Passivhaus Institut und internationale Standards wie Phius setzen hier die Maßstäbe.
Für Sanierungen mit KfW-Zuschüssen oder Krediten:
- Bei energetischen Sanierungen mit Fenstertausch, Dach- und Fassadendämmung empfiehlt sich eine Messung vor und nach der Maßnahme. So lässt sich die tatsächliche Verbesserung der Außenhülle quantifizieren.
- Der Test sichert die Einhaltung der in der KfW-Förderung vereinbarten Effizienzstufe ab – etwa Effizienzhaus 70 nach Sanierung. Untersuchungen und Praxiserfahrungen zeigen, dass eine verbesserte Luftdichtheit im Bestand deutliche Energieeinsparungen ermöglichen kann.
- Im Altbau zeigen anfängliche Messungen häufig Werte von 5–7 ACH50. Nach fachgerechter Abdichtung können Werte von 1,5 ACH50 oder besser erreicht werden.
Fälle mit Pflichtcharakter:
- Bei Gebäuden mit Lüftungsanlage erwartet die KfW regelmäßig einen Nachweis der Luftdichtheit – die Anlage funktioniert nur effizient, wenn die Hülle dicht ist.
- In Projekten mit detaillierter energetischer Fachplanung wird der Blower Door Test oft vertraglich als Voraussetzung für die Bestätigung nach Durchführung (BnD) festgelegt.
- Auch ohne explizite Blower Door Test Pflicht: Fehlt die Messung, kann das Erreichen der KfW-Zielwerte gefährdet sein – und damit die gesamte Förderung.
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Ablauf eines Blower Door Tests nach GEG und KfW‑Vorgaben
Die Durchführung des Blower Door Tests muss nach DIN EN ISO 9972 und den Anforderungen des GEG erfolgen, damit die Ergebnisse für KfW-Förderungen anerkannt werden. Der Ablauf folgt einem standardisierten Verfahren, das sowohl die Messung als auch die Leckageortung umfasst.
- Vorbereitung des Gebäudes: Das Haus wird in den sogenannten „Nutzungszustand” gebracht. Alle Fenster und die Außentür werden geschlossen, Innentüren bleiben geöffnet. Kontrollierte Öffnungen wie Lüftungsschächte werden temporär abgedichtet, während Brandschutzklappen in ihrer normalen Position verbleiben. Welche Öffnungen für die Messung temporär abzudichten sind, hängt vom gewählten Messverfahren ab. Einstellbare oder bedienbare Öffnungen werden gemäß Norm für die Messung definiert vorbereitet.
- Einbau der Messausrüstung: Der Ventilator wird mittels eines speziellen Rahmens luftdicht in eine Außentür eingebaut. Zusätzlich werden digitale Manometer und Drucksensoren angebracht, die den Differenzdruck präzise erfassen.
- Messbetrieb: Das Gerät erzeugt zunächst Unterdruck, dann Überdruck – jeweils bei typisch 50 Pascal. Die Messung erfolgt über mehrere Druckstufen mit mindestens fünf Messpunkten.
Die Mehrpunktmessung gewährleistet eine Genauigkeit mit 5 % Konfidenzintervall.
- Bestimmung des n50 Werts: Aus den Messdaten wird der n50 Wert berechnet – die Luftwechselrate bei 50 Pa bezogen auf das Innenvolumen. Dieser Wert und alle relevanten Parameter werden in einem Prüfprotokoll dokumentiert, das später der KfW vorgelegt wird.
- Leckageortung: Während der Test läuft, können kritische Stellen mit Rauch (Rauchspender, Rauchstifte) oder Infrarot-Thermografie identifiziert werden. Typische Schwachstellen sind Anschlüsse an Fenster und Rollladenkästen, Dachanschlüsse sowie Durchdringungen für Elektro-, Lüftungs- und Sanitärinstallationen.
- Protokollerstellung: Im Prüfbericht müssen alle für die KfW relevanten Parameter aufgeführt sein: Gebäudevolumen, Hüllfläche, alle Messpunkte, der ermittelte n50 Wert, Datum, Name der prüfenden Person sowie die verwendete Norm.
Voraussetzungen auf der Baustelle während des Tests
Der richtige Bauzustand ist entscheidend für ein verwertbares Messergebnis und damit für den KfW-Nachweis. Ein zu früh durchgeführter Blower Door Test durchgeführt liefert keine aussagekräftigen Werte, ein zu später Test lässt keine Nachbesserungen mehr zu.
- Die Gebäudehülle – Putz, luftdichte Ebene, Fenster, Dachanschlüsse – muss weitgehend fertiggestellt, aber noch zugänglich für eventuelle Nacharbeiten sein. Idealer Zeitpunkt: nach Herstellung der luftdichten Schicht, vor dem Endausbau.
- Während der Messung dürfen keine stark staubenden oder lösemittelhaltigen Arbeiten stattfinden. Lüften ist während des Tests nicht erlaubt, da dies die Druckverhältnisse verfälscht.
- Alle geplanten Durchdringungen – Elektro, Lüftung, Sanitär – sollten eingebaut und fachgerecht abgedichtet sein. Nur so entspricht das Messergebnis der realen späteren Nutzung.
- Der Energieeffizienz-Experte sollte rechtzeitig einbezogen werden, um sicherzustellen, dass der gewählte Messzeitpunkt mit den Fördervorgaben vereinbar ist und die Überprüfung rechtzeitig erfolgen kann.
Messergebnisse, n50‑Grenzwerte und Bedeutung für die KfW‑Förderung
Der zentrale Kennwert jeder Luftdichtheitsmessung ist der n50 Wert – die Luftwechselrate bei 50 Pascal Druckdifferenz, angegeben in h⁻¹. Dieser Wert hat direkten Einfluss auf die Förderfähigkeit Ihres Projekts und entscheidet darüber, ob die im KfW-Antrag zugesagte Effizienzhaus-Stufe tatsächlich erreicht wird.
Die wichtigsten Grenzwerte nach GEG und KfW-Vorgaben:
- Wohngebäude ohne ventilatorgestützte Lüftungsanlage: n50 ≤ 3,0 h⁻¹
- Wohngebäude mit ventilatorgestützter Lüftungsanlage: n50 ≤ 1,5 h⁻¹
- Praxis bei Effizienzhauskonzepten: Viele EH 40-Projekte streben deutlich bessere Werte an (z.B. n50 um 0,6–1,0 h⁻¹), um die energetische Bilanz sicher einzuhalten und Puffer für Bautoleranzen zu haben.
- Passivhaus-Standard: Das Deutsche Passivhaus Institut empfiehlt ACH50 unter 0,6 als Goldstandard – dieser Wert wird auch für KfW-Plus-Varianten angestrebt.
Einfluss auf die Energieberechnung:
Der n50 Wert fließt in die Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfs und der Transmissionswärmeverluste ein. Diese Kennwerte müssen im KfW-Antrag angegeben werden. Ein schlechterer n50 Wert als geplant führt zu höheren rechnerischen Wärmeverlusten – und kann dazu führen, dass die beantragte Effizienzhaus-Stufe nicht mehr erreicht wird.
Was bedeutet ein „nicht bestandener” Test in der Praxis?
- Undichtigkeiten an Stellen wie Fensteranschlüssen, Rollladenkästen oder Durchdringungen müssen identifiziert und nachgebessert werden.
- Ein zweiter Test ist erforderlich, um förderfähige Messergebnisse mit dem geforderten Wert zu erzielen.
- Die Kosten für Nacharbeiten und Wiederholungsmessung trägt in der Regel der Bauherr – es sei denn, es handelt sich um Ausführungsmängel des Bauunternehmens.
- Verzögerungen können die termingerechte Einreichung der Unterlagen bei KfW/BAFA beeinträchtigen und damit die Auszahlung der Fördermittel gefährden.
Hinweis
Ein guter n50-Wert allein reicht nicht aus, wenn der Prüfbericht unvollständig ist. Für die Anerkennung im Rahmen der KfW-Förderung müssen Normbezug, Messverfahren, Gebäudedaten und Prüferangaben eindeutig dokumentiert sein. Fehlen diese Angaben, kann die KfW Nachforderungen stellen – selbst bei sehr guten Messergebnissen.
Dokumentation und Nachweis gegenüber KfW
Der vollständige Prüfbericht ist Bestandteil der Unterlagen für die KfW-Schlussbestätigung. Ohne ordnungsgemäße Dokumentation ist der Nachweis gegenüber der KfW nicht erbracht – unabhängig davon, wie gut das tatsächliche Messergebnis war.
Was im Prüfbericht enthalten sein muss:
- Angaben zum Gebäude: Adresse, Nutzungsart, beheiztes Luftvolumen, Hüllfläche
- Messverfahren und Normbezug: DIN EN ISO 9972, GEG-Bezug, Messbedingungen (Temperatur, Wind, Höhe über Grund)
- Vollständige Messergebnisse: n50 Wert, Volumenströme bei verschiedenen Druckstufen, Datum der Messung, Witterungsbedingungen
- Prüfer-Informationen: Unterschrift, Qualifikation der ausführenden Person (z.B. Energieeffizienz-Experte, der den KfW-Antrag betreut), ggf. Angabe der Quelle der Qualifikation (Expertenliste)
Fehlende oder unvollständige Dokumentation kann die Auszahlung von KfW-Mitteln verzögern oder zur Nachforderung weiterer Unterlagen führen.
Kosten des Blower Door Tests und Fördermöglichkeiten
Die Kosten für einen professionellen Blower Door Test variieren je nach Gebäudetyp, Region und Leistungsumfang. Die gute Nachricht: Im Rahmen der KfW-Förderung können diese Kosten teilweise refinanziert werden.
Typische Preisrahmen in Deutschland:
- Einfamilienhaus: ca. 300–700 € brutto, abhängig von Größe und ob Leckageortung sowie KfW-konformes Protokoll im Leistungsumfang enthalten sind.
- Größere Mehrfamilienhäuser oder Nichtwohngebäude: Preis meist als individuelles Angebot, oft im Rahmen des gesamten Energieberatungs- und Nachweispakets kalkuliert.
- Wiederholungsmessung: Bei nicht bestandenem Ersttest fallen erneut Kosten an, die je nach Umfang 50–70 % des Erstpreises betragen können.
Fördermöglichkeiten über KfW und BEG:
- Ein Teil der Testkosten kann über die Förderung der energetischen Fachplanung und Baubegleitung bezuschusst werden. Die Kosten für den Blower Door Test können förderfähig sein, wenn sie Bestandteil der energetischen Fachplanung oder Baubegleitung sind, die im Rahmen der BEG mit bis zu 50 % (innerhalb der Höchstbeträge) bezuschusst wird.
- Im früheren KfW-Programm 431 war der Zuschuss zur Baubegleitung explizit geregelt; die aktuellen BEG-Regelungen führen diese Unterstützung fort, allerdings mit angepassten Konditionen.
- Die Förderkonditionen ändern sich regelmäßig (Anpassungen 2022, 2023, 2024) – prüfen Sie daher immer die aktuellen Merkblätter der KfW und des BAFA.
Wirtschaftliche Einordnung:
Die Investition in einen qualitätsgesicherten Test macht meist nur einen Bruchteil der gesamten KfW-Fördersumme aus. Bei einem typischen Einfamilienhaus-Projekt mit Förderungen von über 30.000 € entscheiden 300–600 € Testkosten über Bestehen oder Nichtbestehen der gesamten Förderung.
Wirtschaftlichkeit und langfristige Einsparungen
Eine gute Luftdichtigkeit macht die über die KfW geforderte Energieeffizienz im Alltag erst wirtschaftlich. Der Blower Door Test ist damit nicht nur Pflichtnachweis, sondern eine Investition in die Zukunft des Gebäudes.
- Heizkosten-Reduktion: Bei nachgewiesener Luftdichtigkeit sinken die Heizkosten über Jahrzehnte – Feldstudien dokumentieren Einsparungen von 15–30 % des Heizenergiebedarfs. Gerade bei steigenden Energiepreisen zahlt sich die Dämmung und Abdichtung der Außenhülle aus.
- Vermeidung von Bauschäden: Feuchteschäden im Dach oder Schimmel an Wärmebrücken entstehen oft durch unkontrollierte Luftströme. Bei geförderten Sanierungen können solche Mängel zu Streit über Gewährleistung und im schlimmsten Fall zu Rückforderungen führen.
- Werterhalt und Marktattraktivität: Zertifizierte Effizienzhäuser mit dokumentierter Luftdichtigkeit erzielen höhere Verkaufspreise und lassen sich leichter vermieten. Die Bauqualität wird durch den Testbericht nachweisbar.
- Amortisation: In Kombination mit KfW-Förderung amortisiert sich der Blower Door Test in der Regel bereits durch die gesicherte Förderauszahlung – ganz ohne die langfristigen Energieeinsparungen einzurechnen.
Wer darf für KfW einen Blower Door Test durchführen?
Für die Anerkennung im Rahmen von KfW-Programmen gelten besondere Qualifikationsanforderungen. Nicht jeder Anbieter kann einen förderfähigen Nachweis erstellen – und nicht jedes Messgerät liefert normkonforme Ergebnisse.
Qualifizierte Durchführende:
- Energieberaterinnen und Energieberater, die in der „Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes” geführt werden. Diese Rolle ist zentral für die gesamte KfW-Dokumentation.
- Sachverständige für Schall- und Wärmeschutz, Bauingenieure sowie Architekten mit Zusatzqualifikation und nachgewiesener Erfahrung im Bereich Luftdichtheitsmessung.
- Spezialisierte Messdienstleister, die eng mit dem verantwortlichen Energieeffizienz-Experten zusammenarbeiten und normkonform nach DIN EN ISO 9972 messen.
Wichtige Hinweise:
- „Do-it-yourself”-Tests mit Leihgeräten können zur Eigenkontrolle während der Bauphase nützlich sein, werden aber in der Regel nicht als offizieller KfW-Nachweis akzeptiert. Für die Förderung ist ein kalibriertes Differenzdruckverfahren durch qualifiziertes Personal erforderlich.
- Prüfen Sie vor der Beauftragung die Qualifikation und Referenzen des Anbieters – idealerweise hat dieser Erfahrung mit Effizienzhaus 40-Neubauten oder umfassenden Sanierungen seit 2021.
- Die Zusammenarbeit zwischen Messdienstleister und betreuendem Energieeffizienz-Experten sollte frühzeitig geklärt werden, um alle Informationen für die KfW-Dokumentation vollständig zu erfassen.
Ein Blower Door Test ist kein Selbstzweck und auch nicht bei jeder Sanierung automatisch erforderlich. In der Praxis wird er vor allem dann relevant, wenn ein KfW-Effizienzhausstandard im Rahmen der BEG erreicht und nachgewiesen werden soll. Wer ohne KfW-Antrag saniert, braucht den Test oft nicht zwingend – wer Fördermittel beantragt, sollte ihn dagegen von Anfang an einplanen.
Jan Wanderer
Energie-Experte bei Enwendo
Fazit: Blower Door Test als Schlüssel zur KfW-Förderung
Der Blower Door Test ist weit mehr als ein technisches Messverfahren – er ist der Schlüssel zur erfolgreichen KfW-Förderung für Ihr Effizienzhaus-Projekt. Ob Neubau oder Sanierung: Ohne nachgewiesene Luftdichtheit bleiben Fördermittel auf der Strecke.
Die Bedeutung des Tests liegt in seiner doppelten Rolle: Er sichert die energetische Qualität Ihres Gebäudes und dokumentiert diese gegenüber der KfW nachprüfbar. Mit Grenzwerten von n50 ≤ 1,5 h⁻¹ (mit Lüftungsanlage) oder ≤ 3,0 h⁻¹ (ohne Lüftungsanlage) setzt das GEG klare Maßstäbe – ambitionierte Effizienzhaus-Standards verlangen oft noch mehr.
Die Investition von 300–700 € für den Test entscheidet über Fördersummen von oft mehr als 30.000 € – eine Rechnung, die eindeutig für den Blower Door Test spricht.
Planen Sie ein KfW-gefördertes Bau- oder Sanierungsprojekt? Lassen Sie sich frühzeitig von einem zertifizierten Energieeffizienz-Experten beraten und stimmen Sie den optimalen Zeitpunkt für den Blower Door Test mit Ihrem Bauablauf ab. So vermeiden Sie böse Überraschungen und sichern sich die volle Fördersumme für Ihr Projekt!
Häufige Fragen zum Blower Door Test
Nein. Das Gebäudeenergiegesetz schreibt eine luftdichte Gebäudehülle vor, aber nicht in jedem Fall eine Messung. Ein Blower Door Test wird vor allem dann relevant, wenn Sie einen KfW-Effizienzhausstandard im Rahmen der BEGerreichen und nachweisen möchten. Ohne Förderantrag ist der Test häufig freiwillig.
In vielen Fällen nicht. Wenn Sie ohne KfW-Antrag sanieren, kann der Test dennoch sinnvoll sein – etwa zur Qualitätssicherung oder zur Leckageortung. Für die reine Einhaltung des GEG ist er jedoch nicht automatisch erforderlich.
Das entscheidet die energetische Fachplanung. Die betreuende Energieeffizienz-Expertin oder der -Experte legt fest, ob und wie die Luftdichtheit nachgewiesen wird und ob eine Messung für die angestrebte Effizienzhaus-Stufe notwendig ist.
Dann müssen die identifizierten Undichtigkeiten nachgebessert werden. Anschliessend ist in der Regel eine Wiederholungsmessung erforderlich. Erst wenn die Nachweise den Anforderungen entsprechen, kann die Schlussbestätigung für die KfW erstellt werden.
Für die KfW-Förderung nein. Eigenmessungen oder Tests mit Leihgeräten sind nicht anerkennungsfähig. Für den Förderantrag wird ein normkonformer Prüfbericht benötigt, der von qualifiziertem Fachpersonal erstellt und in die Dokumentation der Energieeffizienz-Expertin oder des -Experten eingebunden wird.